Porträt der Löschgruppe Donsbrüggen

Verlässlich im Ort und im Verbund

Für die Feuerwehr ist Schloss Gnadenthal ein Ort mit einer besonderen Rahmenbedingung. Während andernorts ein ausgebautes Hydrantennetz zur Verfügung steht, kann die Löschwasserversorgung dort nur über einen Löschbrunnen hergestellt werden. Für die Einsatzkräfte bedeutet das, die örtlichen Gegebenheiten genau zu kennen und die Wasserversorgung von Beginn an mitzudenken.

Das Schloss ist nur eines von mehreren markanten Objekten im Einsatzgebiet der Löschgruppe Donsbrüggen. Dazu gehören auch die Rettungswache, das Hospiz, die Kirche, die Mühle und das SOS-Kinderdorf. Hinzu kommt die waldreiche Umgebung des Ortsteils. Vor allem bei Stürmen führt sie regelmäßig zu Einsätzen, wenn Bäume umstürzen oder Verkehrswege blockiert werden. Türöffnungen haben in den vergangenen Jahren ebenfalls zugenommen, während Verkehrsunfälle im unmittelbaren Einsatzgebiet vergleichsweise selten vorkommen.

Für diese Aufgaben steht eine überschaubare, zugleich vergleichsweise junge Mannschaft bereit. Die Löschgruppe verbindet moderne Technik und einen klaren Ausbildungsanspruch mit einer engen Einbindung in den Ort. Zugleich arbeitet sie nicht für sich allein, sondern als Teil des Löschzugs West und der gesamten Freiwilligen Feuerwehr Kleve.

Kleine Mannschaft, moderner Fuhrpark

Der Löschgruppe gehören derzeit 16 aktive Kameradinnen und Kameraden an. Das Gerätehaus ist für 20 Kräfte ausgelegt. Nur zwei aktive Kameraden haben bereits das 50. Lebensjahr überschritten und damit liegt der Altersschnitt etwa in der Mitte der 30er-Jahre. Geführt wird die Einheit von Löschgruppenführer Christopher Gerritzen und seinen Stellvertretern Michael Reintjes und Markus Hecht.

Mit einem Mittleren Löschfahrzeug und einem Mannschaftstransportfahrzeug verfügt Donsbrüggen über zwei Fahrzeuge aus neueren Beschaffungen. Darüber hinaus übernehmen mehrere Mitglieder zusätzliche Aufgaben innerhalb der Feuerwehr Kleve. In der Einheit sind unter anderem die Absturzsicherung, der Logistik-Zug und die Unterstützungsabteilung vertreten. Das zeigt, dass auch eine kleinere Löschgruppe Fachwissen in unterschiedliche Bereiche der Gesamtwehr einbringt.

Der Übungsdienst findet alle 14 Tage am Dienstagabend statt. Wiederkehrende Standards werden dabei in wechselnde Einsatzlagen eingebettet, damit Abläufe sicher beherrscht werden, ohne dass die Übungen schematisch werden. Auch Erste Hilfe steht regelmäßig auf dem Dienstplan.

Übung am Kindergarten Donsbrüggen
„Uns ist wichtig, dass nicht nur die Führung Übungen vorbereitet. Jeder übernimmt im Laufe des Jahres einmal Verantwortung und bringt eigene Ideen ein. So bleibt der Dienst abwechslungsreich, und zugleich wächst das Verständnis für Abläufe und Entscheidungen.“
– Christopher Gerritzen, Löschgruppenführer Donsbrüggen

Gemeinsam im Löschzug West

Donsbrüggen bildet gemeinsam mit dem Löschzug Rindern den Taktischen Löschzug West. Zwei- bis dreimal im Jahr stehen gemeinsame Übungen auf dem Plan. Damit werden nicht nur taktische Abläufe abgestimmt. Die Mitglieder lernen zugleich die Fahrzeuge, die Möglichkeiten und die Arbeitsweisen der jeweils anderen Einheit kennen.

Der Zusammenschluss erweitert auch das Einsatzspektrum. Bei entsprechenden Alarmierungen rücken beide Standorte gemeinsam aus und stellen dadurch mehr Personal und unterschiedliche technische Möglichkeiten bereit. Für Donsbrüggen ist diese Einbindung ein wesentlicher Bestandteil der heutigen Einsatzorganisation.

„Donsbrüggen und Rindern bilden gemeinsam einen starken taktischen Löschzug. Beide Einheiten arbeiten im Einsatz und bei Übungen hervorragend zusammen. Donsbrüggen profitiert von der Technik Rinderns und ergänzt den gemeinsamen Löschzug mit dem neuen MLF sehr gut.“
– Heinrich Graven, stellv. Leiter der Feuerwehr Kleve

Mehr Einsätze, mehr Wissen, mehr Technik

Wie stark sich die Anforderungen verändert haben, kann Werner Peters aus mehr als fünf Jahrzehnten eigener Erfahrung beurteilen. Er trat 1973 im Alter von 17 Jahren in die Feuerwehr ein. Sein Vater war bereits Mitglied, zugleich bot der Dienst in der Feuerwehr damals eine Möglichkeit, nicht zum Wehrdienst eingezogen zu werden. Was zunächst auch von diesen Umständen geprägt war, entwickelte sich zu einer langen Laufbahn.

Von 1985 an war Peters vier Jahre lang stellvertretender Löschgruppenführer. Anschließend führte er die Löschgruppe von 1989 bis 2009. Bis 2019 blieb er im aktiven Einsatzdienst und wechselte nach insgesamt rund 46 aktiven Jahren in die Ehren- und Altersabteilung. Heute ist er deren Ehrenpräsident und kümmert sich um die Verbindung zu den aktuell etwa 14 Mitgliedern.

Gezeichneter Beladeplan des neuen TSF-T VW Kastenwagen 1955

Zu Beginn seiner Feuerwehrzeit rückte die Löschgruppe nach seiner Erinnerung lediglich zu etwa fünf bis sieben Einsätzen im Jahr aus. Seither sind nicht nur die Einsatzzahlen gestiegen. Auch das Aufgabenspektrum, die Ausbildung und die technische Ausstattung sind deutlich umfangreicher geworden. Die Zusammenarbeit im Löschzug West trägt zusätzlich dazu bei, dass Donsbrüggen heute häufiger und bei vielfältigeren Lagen gefordert ist.

Eine Erinnerung aus seiner aktiven Zeit zeigt zugleich, wie anders manche Übungsabende früher verliefen. Nach einem Dienst versuchten die Kameraden im Gerätehaus, eine defekte Leuchtstofflampe wieder zum Funktionieren zu bringen. In genau dem Moment, in dem die improvisierte Verbindung schließlich hielt und die Lampe aufleuchtete, ertönte die Sirene. Zum anschließenden Wohnmobilbrand rückte das damalige LF 8 mit 13 Kameraden ungewöhnlich voll besetzt aus.

„Auch wenn eine Situation schnelles Handeln verlangt, sollte man nicht hektisch werden. Ruhiges und überlegtes Vorgehen ist bei Übungen und im Einsatz meistens der bessere Weg.“
– Werner Peters, Präsident der Ehren- und Altersabteilung Donsbrüggen

Ankommen ohne Feuerwehr-Vorerfahrung

Dass der Weg in die Löschgruppe heute nicht zwingend über die Jugendfeuerwehr führen muss, zeigt Denny Erdmann. Für ihn stand fest, dass er sich an dem Ort engagieren wollte, an dem er sich dauerhaft niederlässt. Er suchte nach einer Aufgabe, mit der er sich in die Region einbringen, anderen helfen und etwas Sinnvolles tun kann. In der Löschgruppe Donsbrüggen fand er diese Möglichkeit.

Seine ersten Monate waren von vielen neuen Eindrücken geprägt. Neben geselligen Abenden erlebte er eine größere Wasserrettungsübung des Löschzugs West und eine umfangreiche Übung auf einem Firmengelände, an der mehrere Löschzüge sowie die DLRG beteiligt waren. Besonders eindrücklich war für ihn, wie viel Zeit und Vorbereitung die beteiligten Kräfte investieren, damit solche Szenarien realistisch geübt werden können.

Neben Lehrgängen und neuer Technik war es vor allem der Umgang innerhalb der Gruppe, der ihn zum Bleiben bewog. Wer etwas noch nicht weiß, erhält Unterstützung, statt dafür kritisiert zu werden. Damit beschreibt seine Erfahrung eine Einstiegskultur, die für die weitere Mitgliedergewinnung der Löschgruppe entscheidend sein kann.

Übung Stichwort Flächenbrand

„Man verpflichtet sich nicht dazu, mehrmals in der Woche bei der Feuerwehr zu sein. Regelmäßiges Üben ist wichtig, aber wenn man einmal keine Zeit hat, ist das auch in Ordnung. Wer Interesse hat, kann einfach an einem Dienstagabend vorbeikommen und sich alles ansehen.“
– Denny Erdmann, LG Donsbrüggen

Feuerwehr als Teil des Dorflebens

Die Offenheit gegenüber neuen Mitgliedern ist eng mit der Präsenz der Löschgruppe im Ort verbunden. In den vergangenen Jahren ist die Zusammenarbeit mit den Donsbrüggener Vereinen weiter gewachsen. Dazu gehören unter anderem der Karnevalsverein, der Schützenverein, der Sportverein, der Mühlenverein sowie der Heimat- und Verkehrsverein. Ein gemeinsamer Dorfkalender erleichtert die Abstimmung, bei Veranstaltungen unterstützen sich die Beteiligten gegenseitig.

Besonders sichtbar wird die Feuerwehr beim Osterfeuer, das die Löschgruppe seit Jahrzehnten veranstaltet. Das ganze Dorf ist eingeladen, gemeinsam einen Abend mit Getränken, Würstchen und einer Verlosung zu verbringen. Im Jahr 2026 richtet die Einheit außerdem zum vierten Mal ein Biwak hinter dem Gerätehaus aus.

Auch innerhalb der Mannschaft haben gemeinsame Termine ihren festen Platz. Einmal im Jahr führt ein Tagesausflug die Mitglieder von morgens bis abends zusammen. 2025 organisierten die Partnerinnen eine Fahrt nach Köln. Hinzu kommt der augenzwinkernd benannte Tag der Improvisation und Versorgungstechnik. Dazu werden auch die Alters- und Ehrenabteilung sowie stellvertretend Mitglieder anderer Vereine eingeladen, die die Löschgruppe im Laufe des Jahres unterstützt haben.

Osterfeuer bei der Löschgruppe 2026

„Gerade kleinere Einheiten wie Donsbrüggen sind ein wichtiger Bestandteil des Gesamtsystems. Sie sind stark im Ort verankert, prägen das Dorfleben aktiv mit und sorgen für eine enge Verbindung zwischen Feuerwehr und Bevölkerung.“
– Daniel Scholz, stellv. Leiter der Feuerwehr Kleve

Verbindung über Generationen

Aufnahmeerklärung auf dem Jahr 1953

Die enge Bindung endet in Donsbrüggen nicht mit dem Wechsel aus dem aktiven Einsatzdienst. Feste Treffen der Ehren- und Altersabteilung gibt es zwar nocht nicht, dennoch kommen nach Übungsabenden häufig fünf bis zehn ältere Kameraden zum Gerätehaus und setzen sich zur aktiven Mannschaft. So bleibt der Austausch mit jenen bestehen, die die Entwicklung der Löschgruppe über viele Jahre begleitet und teilweise selbst geführt haben.

Für die jüngeren Mitglieder entsteht dadurch ein unmittelbarer Zugang zu Erfahrungen, Erinnerungen und zur Geschichte der Einheit. Umgekehrt bleiben die Mitglieder der Ehren- und Altersabteilung nah am aktuellen Geschehen. Diese selbstverständliche Verbindung zwischen den Generationen gehört zu den Merkmalen, die den Zusammenhalt in Donsbrüggen prägen.

Nachwuchs und konkrete Aufgaben für die Zukunft

Besonders in einem kleineren Ort ist die Gewinnung neuer Mitglieder eine dauerhafte Aufgabe. Die Entwicklung der vergangenen Jahre zeigt allerdings, dass Donsbrüggen dabei nicht allein auf den klassischen Weg über die Jugendfeuerwehr angewiesen ist. Von mehreren Neuzugängen kam nur einer über diesen Weg. Andere lernten die Einheit bei Veranstaltungen, über persönliche Kontakte oder durch das Dorfleben kennen. Die Sichtbarkeit im Ort wird damit zu einem wichtigen Zugang für Interessierte.

Mit einer möglichen zweiten Jugendfeuerwehr verbindet die Einheit dennoch die Hoffnung, das Nachwuchspotenzial in Kleve weiter zu vergrößern. Auch die eigene Mannschaft soll noch wachsen, damit die Kapazität des Gerätehauses stärker ausgeschöpft und die Verfügbarkeit im Einsatz weiter stabilisiert werden kann.

Eine besondere Herausforderung bleibt die Zahl der Atemschutzgeräteträger. Die erforderlichen Lehrgänge und regelmäßigen Nachweise stellen hohe Anforderungen an die Mitglieder. Je nach Tageszeit und Verfügbarkeit kann es deshalb vorkommen, dass nur ein Atemschutzgeräteträger oder im ungünstigsten Fall keine entsprechend qualifizierte Kraft aus Donsbrüggen ausrückt. Ausbildung und Personalentwicklung bleiben daher zentrale Themen.

Auch bei der Ausstattung sieht die Löschgruppe einen konkreten Bedarf. Wegen der ausgedehnten Waldflächen rund um Donsbrüggen wünschen sich die Verantwortlichen, Waldbrandequipment nicht ausschließlich zentral in Kleve, sondern zumindest teilweise direkt am Standort vorzuhalten. Damit könnten die ersten Maßnahmen bei Vegetationsbränden oder sturmbedingten Lagen besser auf die örtlichen Bedingungen zugeschnitten werden.

Besuch der Vorschulkinder aus dem Donsbrüggener Kindergarten

Donsbrüggen bleibt damit eine Einheit mit überschaubarer Mannschaftsstärke, aber einem klar umrissenen Aufgabenprofil. Die Löschgruppe kennt die Besonderheiten ihres Einsatzgebiets, arbeitet fest im Löschzug West und ist im Ort sichtbar. Ihre weitere Entwicklung wird davon abhängen, neue Mitglieder zu gewinnen, Qualifikationen verlässlich vorzuhalten und die Ausstattung an den örtlichen Risiken auszurichten.

Feature-Ausblick

Im nächsten Teil unserer Featurereihe geht es um die Alters- und Ehrenabteilung der Freiwilligen Feuerwehr Kleve. Wie verändert sich die eigene Rolle nach Jahrzehnten im Einsatzdienst? Ehemalige Aktive berichten von einer Feuerwehr ohne moderne Schutzkleidung und Wärmebildkameras, vom Übergang in die Ehrenabteilung und davon, wie sie auch heute mit ihrer Erfahrung, ihrem Wissen und ihrer Kameradschaft Teil ihrer Einheiten bleiben.

 

Autor: Maurice Coenjaerts