Ausbildung bei der Freiwilligen Feuerwehr Kleve

Ausbildung als Grundlage des Ehrenamts

Damit Einsätze sicher und strukturiert abgearbeitet werden können, bildet die Ausbildung das Rückgrat des Systems. Diese legt fest, was neue Kräfte mindestens beherrschen müssen, wie Spezialwissen aufgebaut wird und wie Führung auf verschiedenen Ebenen funktioniert.

Aktuell befindet sich die Feuerwehr Kleve – wie viele Feuerwehren in Nordrhein-Westfalen– in einer Übergangsphase. Das landesweite Ausbildungskonzept wird grundlegend neu geordnet, die Grundausbildung künftig in eine Basis- und eine Aufbauqualifizierung gegliedert. Ziel ist es, neue Mitglieder früher und zugleich gut abgesichert in den aktiven Dienst einzubinden. Parallel dazu steigt der Druck, neue Erkenntnisse und technische Entwicklungen schneller in die Lehrgänge zu integrieren.

„Die Inhalte verändern sich deutlich schneller als früher, und das wird eher noch zunehmen. Entscheidend ist, dass wir Fortbildung nicht nur für Führungskräfte denken, sondern für die gesamte Feuerwehr. Unser Ziel muss sein, dass alle auf einem aktuellen fachlichen, technischen und taktischen Stand bleiben – nur dann funktioniert das System als Ganzes zuverlässig.“
– Jürgen Buil, Leiter Fachbereich 3: Ausbildung 

Grundausbildung in Kleve

Die Grundausbildung in der Stadt Kleve ist der verbindliche Einstieg in den aktiven Dienst. Neue Mitglieder absolvieren zunächst die beiden städtischen Grundmodule zu Brand- und Löschlehre sowie technischer Hilfeleistung. Die Lehrgänge sind so angelegt, dass Unterrichtsphasen konsequent durch praktische Übungsteile ergänzt werden.

Inhaltlich vermittelt die Grundausbildung die fachlichen und rechtlichen Grundlagen des Feuerwehrdienstes. Dazu zählen Dienst- und Sicherheitsvorschriften, grundlegende Einsatztaktik, Gerätekunde, einfache technische Hilfe, Grundlagen der Brandbekämpfung, Erste Hilfe sowie Elemente der Eigensicherung und Selbstrettung.

Ein Schwerpunkt liegt auf praxisnahen Lagen, die sich am Einsatzalltag orientieren. Neue Mitglieder arbeiten dabei mit der Ausrüstung, die später im Dienst genutzt wird, und trainieren typische Handgriffe und Entscheidungswege in einem geschützten Rahmen. Der Fokus liegt dabei auf Sicherheit, Teamarbeit und strukturiertem Vorgehen.

„In der Grundausbildung konnte ich vor allem meine Kenntnisse in der technischen Hilfe vertiefen. Besonders eindrücklich war für mich, dass wir an echten Fahrzeugen gearbeitet und sehr realistische Erste-Hilfe-Szenarien mit Kunstblut durchgespielt haben. Für mich war das nicht nur spannend, sondern wirklich hilfreich, weil man merkt, wie viel Vorsicht und Überlegung in jedem Einsatz steckt.“
– Elias Coppers, seit Mai 2023 Mitglied der LG Donsbrüggen 

Kreisausbildung im Kreis Kleve

Über die kommunale Grundausbildung hinaus übernimmt der Kreis Kleve seit rund 30 Jahren zentrale Teile der weiteren Qualifizierung in den Räumlichkeiten des Kreisfeuerwehrgerätehauses in Goch. Nach FwDV 2 liegen in der Verantwortung der Kreisausbildung folgende Lehrgänge: Sprechfunk, Atemschutzgeräteträger, Maschinist, Truppführer sowie die ABC-/CBRN-Ausbildung. Funk und Atemschutz werden dabei als erstes und zumeist im selben Jahr gelehrt, da sie in der Praxis eng zusammengehören, und bilden das Mindestmaß für die Einsatzfähigkeit. Alle über diese beiden hinausgehende Lehrgänge sind grundsätzlich optional, erweitern und verbessern jedoch die Einsetzbarkeit und ermöglichen die Übernahme zusätzlicher Funktionen in den Einheiten.

Für die Kreisausbildung ist der Kreis Kleve verantwortlich. Während die administrativen Dinge seitens der Verwaltung durchgeführt werden, übernehmen der Kreisbrandmeister und seine Stellvertreter die fachliche Verantwortung und werden durch die Kreisausbilder unterstützt. Diese unterrichten in Zweierteams, um sich gegenseitig unterstützen und entlasten zu können und erhalten für ihre Tätigkeit eine Aufwandsentschädigung. Zu Beginn jedes Jahres wird bei allen Feuerwehren im Kreis der konkrete Ausbildungsbedarf abgefragt. Ein Verteilungsschlüssel stellt anschließend sicher, dass die verfügbaren Lehrgangsplätze nach Größe und Mitgliederzahl möglichst fair auf die Kommunen verteilt werden.

Die Leistungsfähigkeit der Feuerwehren im Kreis ist eng an diese Strukturen gekoppelt. Besonders im Fokus stehen ausreichend Atemschutzgeräteträger, um auch tagsüber eine verlässliche Einsatzbereitschaft sicherzustellen. Gleichzeitig hat sich die Didaktik in den vergangenen Jahren deutlich in Richtung Praxisorientierung entwickelt. Die Lehrgänge sind handlungsnäher geworden, jedoch beobachten Ausbilder auch, dass Lernende mitunter unselbstständiger werden und Inhalte nicht immer mit der früher üblichen Verbindlichkeit aufnehmen. Ein wiederkehrendes Thema ist zudem der Rückgang der körperlichen Fitness, insbesondere in den Atemschutzlehrgängen – auch nach erfolgreichem Abschluss wird die notwendige Belastbarkeit nicht immer dauerhaft aufrechtgehalten.

Ein weiteres Instrument ist seit 2022 ein E-Learning-Portal, über das Unterlagen bereitgestellt und Selbststudium ermöglicht werden. Nach Einschätzung der Verantwortlichen wird es bislang allerdings noch eher zurückhaltend genutzt. Parallel dazu arbeitet der Kreis an einer umfassenden Ausbildungsrichtlinie, um kreisweit einheitliche Standards und Qualitäten verbindlicher zu verankern: Die Lerninhalte sollen überall gleich sein, auch wenn die Ausbilder Spielraum bei der methodischen Umsetzung behalten.

„Ich bin mit der Entwicklung der Kreisausbildung in den vergangenen Jahren sehr zufrieden. Trotz eines hohen fachlichen Anspruchs verzeichnen wir kaum Nichtbestehende, weil wir die Teilnehmenden sehr nah an ihren persönlichen Situationen abholen. Unsere Ausbilder bringen viel Erfahrung mit, arbeiten hochmotiviert und auf Augenhöhe – das ist ein ganz wesentlicher Faktor für die Qualität der Lehrgänge.“
– Ronni Schoofs, stellv. Kreisbrandmeister Kreis Kleve seit 2022

Maschinistenlehrgang im Kreis Kleve

Der Maschinistenlehrgang auf Kreisebene ist ein beispielhafter Fachlehrgang innerhalb der Kreisausbildung. Er qualifiziert Einsatzkräfte dafür, Löschfahrzeuge sicher zu fahren und die Feuerlöschkreiselpumpe sowie weitere Aggregate zu bedienen. Voraussetzung für die Teilnahme sind eine abgeschlossene Truppausbildung und der Sprechfunkerlehrgang, wünschenswert ist ein Führerschein der Klasse C. Im Mittelpunkt stehen die Wasserförderung über unterschiedliche Entnahmestellen, sichere Förderwege und das zuverlässige Bedienen der technischen Systeme. Moderne, tief im Fahrzeug verbaute Pumpen mit elektronischer Steuerung verlangen dabei ein anderes Verständnis als frühere, mechanisch stärker sichtbare Technik. Einen festen Platz hat inzwischen auch der Trinkwasserschutz: Beim Wasserbezug aus dem Stadtwassernetz gehört der Einsatz geeigneter Systemtrenner heute zum Standard.

„Maschinisten sollten vor allem die Bereitschaft mitbringen, sich intensiv mit der Technik auseinanderzusetzen und das Gelernte am eigenen Standort regelmäßig zu üben. Jede Pumpe und jedes Fahrzeug reagiert etwas anders – echte Routine entsteht nur, wenn man diese Unterschiede in der Praxis kennenlernt. Der Lehrgang schafft das Fundament dafür, die Feinheiten müssen anschließend vor Ort im Übungsdienst erarbeitet und gefestigt werden.“
– Michael Groenewald, Ausbilder für den Maschinistenlehrgang auf Kreisebene

Landesebene und Institut der Feuerwehr NRW

Mit den Lehrgängen auf Landesebene kann sich bei persönlicher und fachlicher Eignung der Ausbildungsweg der Freiwilligen Feuerwehr Kleve fortsetzen. Zentrale Anlaufstelle ist das Institut der Feuerwehr Nordrhein-Westfalen (IdF NRW) mit Hauptsitz in Münster und der Außenstelle in Düren. Dort werden Führungskräfte ab der Qualifikation als Gruppenführer geschult – unabhängig davon, ob sie aus einer freiwilligen oder hauptamtlichen Feuerwehr kommen. Neben Gruppen-, Zug- und Verbandsführerlehrgängen werden u.a. Lehrgänge für Leiter der Feuerwehr, Stabsarbeit, Krisenstäbe und zahlreiche Spezialfortbildungen angeboten. Mit über 220 Mitarbeitenden und rund 370 Internatsplätzen gilt das IdF NRW als größte Feuerwehraus- und -fortbildungseinrichtung in Deutschland.

In den vergangenen Jahren hat sich die Ausbildung dort deutlich in Richtung Praxisnähe und Digitalisierung entwickelt. Moderne Simulationsumgebungen und virtuelle Realität ergänzen klassische Planspiele und Modellwelten, ohne die praktische Übung vor Ort zu ersetzen. Viele kleinere Theoriebausteine werden digital oder hybrid vermittelt, um Fahrwege zu reduzieren und Lehrgänge besser mit Beruf und Ehrenamt vereinbaren zu können. 2026 startete zudem ein neues Fortbildungskonzept mit rotierenden Schwerpunkten, in den Themen wie technische Hilfeleistung, spezielle Taktiken im Brandeinsatz oder Führung und Feedback für verschiedene Führungsstufen über mehrjährige Zyklen vertieft werden.

Flankiert wird die Lehrgangstätigkeit durch vier Kompetenzzentren. Ein technisches Kompetenzzentrum begleitet Fahrzeug- und Katastrophenschutztechnik bis hin zur Unterstützung bei den Abnahmen von Neufahrzeugen. Das Medienzentrum stellt didaktisch aufbereitete Lehr- und Lernmaterialien bereit und fördert etwa über den Feuerwehr-Lernkompass die örtliche Aus- und Fortbildung. Hinzu kommen der Bereich Digitalfunk als Ansprechpartner für Programmierung und Betrieb des BOS-Digitalfunks sowie ein Forschungsbereich, der sich mit Sicherheitsforschung und Risikoanalysen befasst, etwa mit Blick auf Waldbrände.

„Neben den klassischen Führungslehrgängen führen wir auch Spezialausbildungen durch. Häufig nach dem Prinzip ‚Train-the-Trainer‘, damit Wissen in die Kreise und Kommunen zurückgetragen werden kann. Zusätzlich bieten wir eine breite Palette verschiedenster Fortbildungen für unterschiedliche Zielgruppen an. Künftig rücken hier sicherlich auch Themen wie Katastrophen- und Zivilschutz, Resilienz und die Vorbereitung der Bevölkerung auf Krisen noch stärker in den Fokus.“
– Sarah Weber, Pressestelle IdF NRW

Verbandsführer als Spitze der operativen Ausbildung

Mit dem erfolgreich absolvierten Verbandsführer-Lehrgang am Institut der Feuerwehr Nordrhein-Westfalen erreicht man die höchste Qualifikation der operativen Führungsausbildung und den Dienstgrad des Brandoberinspektors. Dieser wird vor allem dann relevant, wenn Einsatzlagen mehrere Einsatzabschnitte erfordern oder ein Zug durch weitere Züge und Einheiten erweitert werden muss. Auch als Führungsstufe C bezeichnet, übernimmt der Verbandsführer die übergeordnete Koordination, taktische Steuerung und Abstimmung der eingesetzten Kräfte.

Der Lehrgang ist modular aufgebaut und setzt eine abgeschlossene Zugführerausbildung voraus. Er gliedert sich in einen Basis- und einen Aufbauabschnitt. Inhaltlich dominiert die Theorie, während sich der praktische Teil deutlich von gerätebezogenen Lehrgängen unterscheidet. Im Mittelpunkt steht die Lageführung. Entscheidungen werden anhand von Szenarien und Lagekarten getroffen, etwa zur Bildung von Einsatzabschnitten und zur Zuweisung von Kräften. Zugleich wird das fachliche Fundament erweitert, etwa in Rechtskunde und im Katastrophenschutz.

Ein hohes Verantwortungsbewusstsein, Belastbarkeit und Teamfähigkeit gelten als grundlegende Anforderungen. Ebenso wichtig ist eine ausgeprägte soziale Kompetenz, um in anspruchsvollen Lagen klar zu kommunizieren, Entscheidungen nachvollziehbar zu vermitteln und die Zusammenarbeit im Führungsteam verlässlich zu gestalten.

„Nach Abschluss des Lehrgangs beginnt der eigentliche Lernprozess. Das erworbene Wissen muss in der Praxis angewendet und weiterentwickelt werden. Wer diesen Weg gehen will, sollte sich früh mit eigenen Einsätzen, Planübungen, Stabsarbeit und dem Arbeiten mit Lagekarten auseinandersetzen.“
– Karl-Heinz Stoffels, abgeschlossener Lehrgang zum Verbandsführer am IdF NRW 2025

Wer darüber hinaus Aufgaben in der Stabsarbeit übernimmt oder perspektivisch eine Feuerwehr organisatorisch leitet, baut mit weiteren Qualifikationen auf. In Nordrhein-Westfalen sind dafür die Lehrgänge „Einführung in die Stabsarbeit“ und „Leiter einer Feuerwehr“ vorgesehen, die Voraussetzung für Beförderungen zum Gemeinde- oder Stadtbrandinspektor sowie für die Bestellung zum Leiter oder stellvertretenden Leiter der Feuerwehr ist.

Perspektive der Feuerwehrführung

Die Feuerwehrführung betrachtet die laufende Neuordnung der Ausbildung als wichtigen Hebel, um das Ehrenamt zukunftsfähig zu halten. Hintergrund sind veränderte Einsatzszenarien, steigende technische Anforderungen und die Notwendigkeit, neue Kräfte schneller und zugleich gut vorbereitet in den aktiven Dienst zu bringen.

„Mit der neuen Ausbildungsstruktur sind viele Erwartungen verbunden. Sie soll effizienter werden und die neuen Kameradinnen und Kameraden schneller in den aktiven Dienst einbinden. Der Fokus liegt stärker auf der Praxis, das macht die Ausbildung greifbarer und motivierender. Ziel ist, dass die Teilnehmenden mit noch mehr Freude und Engagement dabei sind.“
– Daniel Scholz, stellv. Leiter der Freiwilligen Feuerwehr Kleve

Neben Strukturfragen rückt aus Sicht der Führung auch der inhaltliche Wandel in den Vordergrund. Moderne Fahrzeuge, Geräte und digitale Systeme prägen die Lehrgänge heute deutlich stärker als früher und erhöhen die Anforderungen an die Einsatzkräfte.

„Die Ausbildung hat sich in den letzten Jahren deutlich verändert – vor allem durch den technischen Fortschritt. Es gibt heute über alle Ebenen hinweg deutlich mehr Technik-Input, weil Fahrzeuge und Systeme immer komplexer werden. Die Herausforderung besteht darin, diese Technik nicht nur zu kennen, sondern sie im Einsatz wirklich sicher zu beherrschen. Das ist eine Entwicklung, die die Einsatzqualität insgesamt weiter verbessert.“
– Heinrich Graven, stellv. Leiter der Freiwilligen Feuerwehr Kleve

Fazit

Die Ausbildung in der Freiwilligen Feuerwehr Kleve spannt einen Bogen von der kommunalen Grundqualifizierung über spezialisierte Lehrgänge beim Kreis Kleve bis hin zu Führungs- und Fortbildungsangeboten auf Landesebene. Stadt, Kreis und Land übernehmen jeweils eigene Aufgaben, greifen aber inhaltlich wie Zahnräder ineinander. So entsteht ein abgestimmtes System, das neue Kräfte an den Einsatz heranführt, Spezialwissen aufbaut und Führung für größere Lagen bereitstellt.

Gleichzeitig wird deutlich, dass Ausbildung kein abgeschlossener Zustand ist, sondern ein fortlaufender Prozess. Neue landesweite Konzepte, technische Entwicklungen, veränderte Einsatzszenarien und der stärkere Fokus auf Katastrophen- und Zivilschutz erhöhen die Anforderungen an alle Beteiligten. Wer sich ehrenamtlich in der Feuerwehr engagiert, entscheidet sich nicht nur für Einsätze, sondern immer auch für regelmäßige Aus- und Fortbildung. Das ist heute eine unumgängliche Voraussetzung dafür, dass die Feuerwehr im Stadtgebiet langfristig leistungsfähig bleibt.

„Ausbildung ist die Grundlage. Sie beginnt bei den Basics und baut Schritt für Schritt darauf auf. Weil das Feuerwehrleben heute so umfassend ist, hören Aus und Fortbildung praktisch nie auf, ein Feuerwehrleben lang. Dazu gehört auch, das Gelernte in Übungen zu festigen und neue Ausrüstung oder neue Gefahren kennenzulernen, zum Beispiel durch die Akkutechnik.“
– Ralf Benkel, Leiter der Freiwilligen Feuerwehr Kleve

Feature-Ausblick

Im nächsten Teil unserer Reportagereihe geht es nach Reichswalde. Das Porträt der Löschgruppe zeigt eine Einheit, in der Einsatzdienst und Dorfleben besonders eng miteinander verbunden sind. Im Mittelpunkt stehen die Geschichte der Löschgruppe, prägende Einsätze im Reichswald, die Entwicklung von Ausstattung und Gerätehaus sowie das Zusammenspiel von Einsatzabteilung, Spielmannszug und Erkundergruppe.

Autor: Maurice Coenjaerts