Jugendfeuerwehr Kleve – Nachwuchs mit Leidenschaft
Wo Neugier auf Blaulicht trifft
Wenn man an die Feuerwehr denkt, hat man oft Einsatzfahrzeuge, Löschangriffe oder Blaulicht vor Augen. Doch bevor all das Realität wird, sind Neugier, Teamgeist und Motivation gefragt – genau hier setzt die Jugendfeuerwehr Kleve an. Seit ihrer Gründung im Jahr 2004 bietet sie Jugendlichen im Alter von 10 bis 18 Jahren einen spannenden Einstieg in die Welt der Feuerwehr mit abwechslungsreichen Übungen, echten Einsatzelementen und ganz viel Gemeinschaft.
Dabei geht es längst nicht nur um Schläuche und Helme: Von abwechslungsreichen Übungsszenarien über kreisübergreifende Zeltlager bis hin zu sportlichen Wettbewerben bietet die Jugendfeuerwehr ein durchplantes Programm, das Spaß macht und nebenbei wichtige Fähigkeiten fürs Leben vermittelt. Aktuell sind 30 Jugendliche aktiv dabei, weitere 25 stehen auf der Warteliste – ein klares Zeichen für die große Anziehungskraft der Jugendfeuerwehr.
„Die Stimmung ist immer freundlich. Wir lachen zusammen, helfen uns gegenseitig – keiner bleibt allein."
– Luis B., Mitglied der Jugendfeuerwehr Kleve
Eine zentrale Jugendfeuerwehr für ganz Kleve
Die Jugendfeuerwehr Kleve ist bewusst stadtweit organisiert. Anders als bei der aktiven Feuerwehr gibt es hier keine Aufteilung in Löscheinheiten der jeweiligen Ortsteile. Der Andrang ist groß: Die 25 Jugendlichen auf der Warteliste müssen mit einer Wartezeit von ca. zwei Jahren rechnen. Wer einmal aufgenommen ist, bleibt in der Regel viele Jahre dabei. Der Einstieg ist ab 10 Jahren möglich, der Wechsel in die aktive Wehr dann mit 18 Jahren. Teilnahme an den Übungen der Einheiten ist jedoch schon ab 16 Jahren möglich.
Die Jugendfeuerwehr wird von Nadine Hollenders geleitet, die bereits seit der Gründung im Jahr 2004 als Ausbilderin dabei ist. Seit 2017 hat sie die Leitung übernommen – gemeinsam mit ihren beiden Stellvertretern Martina Hendricks und Jonas Bispeling und einem Team von derzeit 13 Betreuenden. Diese bringen nicht nur eigene Einsatzerfahrung, sondern auch pädagogisches Geschick mit. Wer Teil des Teams werden möchte, braucht ein aktuelles Führungszeugnis, muss die Grundausbildung abgeschlossen haben und später einen Jugendgruppenleiter-Lehrgang absolvieren.
Die Zusammenarbeit mit den aktiven Einheiten läuft ebenfalls gut: Viele Löscheinheiten übernehmen jährlich mindestens eine Übungseinheit für die Jugendfeuerwehr. Dieser Baustein vermittelt Wissen und erleichtert den Übergang in die aktive Wehr.
„Unser Ziel ist es, alle Jugendlichen dort abzuholen, wo sie stehen – fachlich, aber auch menschlich. Die Jugendlichen sollen sich wohlfühlen, gleichzeitig aber auch lernen, Verantwortung zu übernehmen und im Team zu arbeiten.“
– Nadine Hollenders, Leiterin der Jugendfeuerwehr Kleve
So läuft ein Übungsabend ab
Montagabend, kurz vor 18 Uhr: Auf dem Hof versammeln sich die Jugendlichen in Einsatzkleidung. Sie begrüßen sich, lachen und warten auf das Antreten. Zwei Stunden Jugendfeuerwehr stehen bevor, zunächst werden aktuelle Mitteilungen besprochen. Dann folgt ein für viele überraschendes Ritual: Die Handys werden eingesammelt. „Das machen wir nicht zur Kontrolle, sondern zum Schutz“, erklärt Nadine Hollenders. „Damit nichts verloren geht, vor allem aber, um volle Konzentration auf die Übung zu ermöglichen.“ Anschließend werden Gruppen eingeteilt, Fahrzeuge zugewiesen und los geht es.
Ob Brandbekämpfung, technische Hilfeleistung oder Wasserförderung: Die Übungen finden je nach Thema und Ziel entweder vor Ort oder an externen Plätzen statt. Alle haben eine feste Aufgabe und arbeiten im Team. Nach der Rückkehr werden die Fahrzeuge wieder einsatzbereit gemacht und es findet eine Nachbesprechung statt.
„Ich bin in die Jugendfeuerwehr eingetreten, weil ich schon immer neugierig auf die Arbeit der Feuerwehr war und helfen wollte, Menschen in Not zu unterstützen. Ich denke, es ist eine tolle Möglichkeit, etwas Gutes zu tun und gleichzeitig neue Fähigkeiten zu erlernen.“
– Leonie G., Mitglied der Jugendfeuerwehr Kleve
Vielfältige Inhalte mit Praxisnähe
Die Übungen der Jugendfeuerwehr Kleve dienen nicht nur der Vorbereitung auf den späteren Einsatzdienst. Sie sollen Interesse wecken, Wissen auf spielerische Weise vermitteln und echte Einblicke in das Feuerwehrleben bieten. Deshalb wird ein breites Themenspektrum abgedeckt, das altersgerecht aufbereitet wird.
Neben den Grundlagen der Brandbekämpfung stehen auch technische Hilfeleistungen, die Wasserentnahme aus offenen Gewässern und Einweisungen an der Drehleiter – stets unter Aufsicht, kein Einsatzbetrieb – auf dem Programm. Sogar das Thema Atemschutz wird bereits behandelt und aktiv umgesetzt – allerdings mit Übungsmasken und leeren Flaschen.
Auch die Selbstrettung, also das gesicherte Abseilen aus Höhen, gehört zu den Übungseinheiten, ebenso wie Szenarien zu Waldbränden oder zur Wasserrettung. Dabei greifen Theorie und Praxis ineinander: Viele Inhalte werden zunächst erklärt und anschließend direkt geübt. Die Ausbilder achten darauf, dass alle Jugendlichen regelmäßig neue Aufgaben übernehmen. So lernen sie, Verantwortung zu tragen und im Team flexibel zu agieren.
Highlights im Jahresverlauf
Neben den regulären Übungsabenden bietet die Jugendfeuerwehr Kleve eine ganze Reihe besonderer Veranstaltungen, die mittlerweile schon feste Tradition bei den Jugendlichen geworden sind und auf die sich besonders gefreut werden.
Ein Höhepunkt ist der gemeinsame 24-Stunden-Dienst, bei dem die Jugendlichen gemeinsam mit dem THW und der DLRG eine 24-stündige Dienstschicht erleben. Dabei gibt es Übungsalarme, gemeinsame Mahlzeiten und die Nacht wird auf Feldbetten verbracht.
Auch das einwöchige Zeltlager im Sommer ist ein fester Programmpunkt. Hier steht vor allem die Gemeinschaft im Mittelpunkt: Sport, Spiel, Lagerfeuer und Ausflüge sorgen für eine gute Balance zwischen Freizeit und Feuerwehr. Hinzu kommen Orientierungsläufe, Bezirkslager und gemeinsame Aktivitäten mit anderen Jugendfeuerwehren.
Besonders Spaß macht vielen die Zusammenarbeit in der Gruppe und mit dem Betreuungsteam. Immer wieder können sie sogar selbst mitentscheiden, welche Themen geübt werden – und rücken dabei mit den richtigen Fahrzeugen aus. Beim Orientierungslauf in Wachtendonk stand die Gruppe sogar auf dem Podest – ein Moment, der in Erinnerung bleibt.
Auch zum Jahresende gibt es eine gemeinsame Abschlussaktion, oft in Form eines kleinen Festes oder Ausflugs. Diese Erlebnisse stärken den Zusammenhalt und bleiben vielen Jugendlichen lange in Erinnerung.
„Besonders cool fand ich die Drehleiter-Übung. Man bekommt ein Gefühl für die Höhe, aber auch für das Vertrauen, das man braucht – in sich selbst und die Technik.“
– Jonas Brammen, 2025 aus der Jugendfeuerwehr in den aktiven Dienst gewechselt
Nachwuchs und Ressourcen für die Feuerwehr von morgen
Die Jugendfeuerwehr ist mittlerweile der wichtigste Weg in den aktiven Feuerwehrdienst. Viele der heutigen Einsatzkräfte haben ihre Laufbahn in der Jugendfeuerwehr begonnen. Ab 16 Jahren dürfen geeignete Jugendliche erste Übungen der Einsatzabteilung begleiten und beginnen in der Regel mit etwa 17 Jahren die Grundausbildung. Der Übergang verläuft dabei bewusst fließend. Auch mit Blick auf die geplante Kinderfeuerwehr wird eine Herausforderung darin bestehen, allen interessierten Kindern später einen Platz in der Jugendfeuerwehr bieten zu können.
„Man sieht die Entwicklung deutlich. Die Neuen haben anfangs noch wenig Erfahrung, aber bei jeder Übung merkt man, wie viel sie bereits gelernt und behalten haben und das macht einen stolz.“
– Jens Michels, Ausbilder der Jugendfeuerwehr Kleve
Derzeit verfügt die Jugendfeuerwehr weder über eigene Fahrzeuge noch über eigene Räumlichkeiten. Für jede Übung ist sie auf die Unterstützung der einzelnen Löscheinheiten angewiesen, sowohl was die Fahrzeuge als auch die Nutzung von Standorten betrifft. Der logistische Aufwand, um geeignete Fahrzeuge anzufragen und abzuholen, ist sehr hoch.
Erste Verbesserungen wurden bereits umgesetzt: So stehen den Löscheinheiten seit 2025 neue Mannschaftstransportfahrzeuge zur Verfügung, die sich für die Jugendfeuerwehr sehr gut eignen. Auch der Materialbestand für das Zeltlager wurde deutlich aufgestockt.
Blick nach vorn
Die Jugendfeuerwehr Kleve ist gut aufgestellt. Doch gleichzeitig wird auch vieles improvisiert oder ist auf verschiedene Standorte verteilt. Die Hoffnung ruht auf dem geplanten Neubau der Hauptwache, in der künftig auch eigene Räumlichkeiten für die Jugendfeuerwehr mit Umkleiden, einem Aufenthaltsbereich und einem Materiallager entstehen sollen.
Auch inhaltlich steht ein Wachstum bevor. Angesichts der langen Warteliste und der hohen Nachfrage ist absehbar, dass die Jugendfeuerwehr personell und strukturell vergrößert werden muss. Eine zusätzliche Herausforderung ergibt sich durch die in Planung befindliche Kinderfeuerwehr. Diese wird nicht ohne zusätzliche Plätze und Kapazitäten in der anschließenden Jugendfeuerwehr funktionieren.
Gleichzeitig zeigt sich, dass die Jugendfeuerwehr nicht nur ein wichtiger Nachwuchskanal ist, sondern auch ein Ort, an dem Jugendliche über sich hinauswachsen können. Sie lernen, im Team zu arbeiten, Verantwortung zu übernehmen und sich gegenseitig zu unterstützen. Diese Fähigkeiten gehen weit über das Thema Feuerwehr hinaus.
Die Jugendfeuerwehr Kleve ist mehr als nur ein Einstieg in den Feuerwehrdienst. Sie bietet Gemeinschaft, persönliches Wachstum und spannende Erlebnisse – und einen Ort, an dem aus Neugier Begeisterung wird.
„Die Jugendfeuerwehr ist unser wichtigster Nachwuchslieferant. Ohne sie wäre eine stabile Einsatzbereitschaft langfristig nicht zu gewährleisten.“
– Ralf Benkel, Leiter der Feuerwehr Kleve
Feature-Ausblick
Im nächsten Porträt steht der Löschzug Materborn im Fokus. Die Einheit sichert den Süden von Kleve ab und arbeitet im „Löschzug Süd“ eng mit der Löschgruppe Reichswalde zusammen. Besonders prägend ist der Neustart an der Kapellenstraße mit einer Wache, die Abläufe, Hygiene und Ausbildung konsequent umsetzt und auch die Drehleiter wieder am Standort ermöglicht. Dazu kommen die Geschichte seit 1922, der Wandel in der Alarmierung und der Blick auf das, was Materborn heute ausmacht: Routine, Kameradschaft und verlässliche Zusammenarbeit im Alltag wie in Ausnahmelagen.
Feuerwehr Kleve