Die Unterstützungsabteilungen der Freiwilligen Feuerwehr Kleve
Unterstützung, die im Hintergrund wirkt
Während eines längeren Einsatzes auf der Materborner Allee liefen nicht nur an der Einsatzstelle zahlreiche Aufgaben zusammen. Auch am Gerätehaus des Löschzugs Materborn musste organisiert, vorbereitet und für die eingesetzten Kräfte gesorgt werden. Felix Artz gehörte zu denjenigen, die dort unterstützten und damit einen Teil der Arbeit übernahmen, der nach außen kaum sichtbar ist.
Solche Tätigkeiten stehen beispielhaft für die Unterstützungsabteilungen der Freiwilligen Feuerwehr Kleve. Ihre Mitglieder sind den jeweiligen Löschgruppen und Löschzügen zugeordnet und bringen sich außerhalb des regulären Einsatzdienstes nach ihren Möglichkeiten ein.
Die Gründe dafür können unterschiedlich sein. Manche Mitglieder können aus gesundheitlichen, persönlichen, beruflichen oder formalen Gründen nicht oder nicht mehr am Einsatzdienst teilnehmen. Teilweise gilt das auch für regelmäßige Übungen. Über die Unterstützungsabteilung bleibt eine Mitarbeit in der Feuerwehr dennoch möglich.
Die vier Mitglieder, die für diese Reportage von ihrem Engagement berichten, haben unterschiedliche Wege in diese Abteilung genommen. Ihre Erfahrungen zeigen, welche Aufgaben bereits übernommen werden und an welchen Stellen noch Entwicklungspotenzial besteht.
Ein fester Platz in der Feuerwehr
Das nordrhein-westfälische Feuerwehrrecht führt die Unterstützungsabteilung als eigenen Bereich der Freiwilligen Feuerwehr. Zu den vorgesehenen Tätigkeiten gehören unter anderem die Betreuung der Kinder- und Jugendfeuerwehr, Öffentlichkeitsarbeit, Versorgung und Verwaltungsunterstützung. Weitere Aufgaben legt die Leitung der Feuerwehr fest.
In Kleve bleiben die Unterstützer eng mit ihrer jeweiligen Einheit verbunden. Welche Tätigkeiten sie konkret übernehmen, richtet sich nach den örtlichen Bedarfen sowie nach ihren Erfahrungen, Kenntnissen und persönlichen Möglichkeiten.
„Unterstützungsabteilungen sind ein wichtiger Baustein, um möglichst vielen Menschen die Mitwirkung in der Feuerwehr zu ermöglichen. Sie schaffen Zugänge für diejenigen, die nicht am Einsatzdienst teilnehmen können, und stärken damit Inklusion und Integration innerhalb der Organisation.“
– Daniel Scholz, stellv. Leiter der Feuerwehr Kleve
Felix Artz – von Beginn an unterstützend dabei
Felix Artz gehört seit 2024 zur Freiwilligen Feuerwehr Kleve. Er wollte etwas Neues ausprobieren und eine Faszination aufgreifen, die ihn schon länger begleitet hatte. Im Löschzug Materborn fand er seinen Platz in der Unterstützungseinheit.
Aus gesundheitlichen Gründen kann er nicht am aktiven Einsatzdienst teilnehmen. Dennoch bringt er sich dort ein, wo Unterstützung gebraucht wird. Er hilft bei Vorbereitungen, Übungen und weiteren Aufgaben im Hintergrund. Für ihn bietet die Tätigkeit zugleich die Möglichkeit, Abläufe kennenzulernen, Neues zu lernen und Teil der Feuerwehr zu sein.
„Für die Zukunft wünsche ich mir, dass Unterstützung nicht nur dann wahrgenommen wird, wenn etwas fehlt, sondern als eigenständige Einsatzleistung anerkannt wird. Gute Unterstützung schafft Sicherheit, entlastet Einsatzkräfte und ermöglicht erfolgreiche Einsätze, auch wenn sie oft im Hintergrund stattfindet. Denn Feuerwehr ist Teamarbeit.“
– Felix Artz, LZ Materborn
Rolf Tepest – Erfahrung bleibt erhalten
Rolf Tepest kam über einen Jugendfreund zur Feuerwehr Kellen und blieb, als dieser seinen Dienst nach kurzer Zeit wieder beenden musste. In den folgenden Jahrzehnten durchlief er die klassische Laufbahn, wurde Gruppenführer, im Jahr 2007 erreichte er den Dienstgrad Brandinspektor und gehörte seit 2013 der Löschzugführung an; zunächst als stellvertretender Löschzugführer und von 2016 bis zum Ausscheiden aus der Einsatzabteilung als Löschzugführer. Nach insgesamt 46 Jahren in der Einsatzabteilung wechselte er im Januar 2025 in die Unterstützungseinheit.
Sein Engagement für den Löschzug Kellen und die Feuerwehr Kleve setzte er dort fort. Er wirkt bei der Organisation des Pumpenfestes mit, koordiniert die Weihnachtsbaumsammelaktion und unterstützt bei der jährlichen Hydrantenkontrolle. Darüber hinaus kümmert er sich um das Fahrsicherheitstraining der Feuerwehr Kleve, das aus einer Initiative in Kellen hervorgegangen ist. An Übungen nimmt er weiterhin teil, hält sich dort inzwischen jedoch bewusst im Hintergrund.
„Für mich gehört es zur Führungsfunktion dazu, Vorbild zu sein und alles mitzumachen, Einsätze, Übungen und alles, was dazugehört. Das konnte und wollte ich in dem Umfang nicht mehr leisten. Deshalb war der Wechsel für mich die richtige Entscheidung.“
– Rolf Tepest, LZ Kellen
Thomas Riegeler – zwischen Verbundenheit und fehlender Aufgabe
Thomas Riegeler kam 1994 im Alter von 18 Jahren zum Löschzug Kleve. Bereits vor seiner offiziellen Aufnahme lief er etwa ein Jahr mit und lernte den Dienstalltag kennen. Später wohnte er sieben Jahre über der Feuerwache. Von 2013 an gehörte er zunächst kommissarisch, ab 2015 offiziell für eine Amtszeit von sechs Jahren als stellvertretender Löschzugführer zur Führung des Löschzugs Kleve. Seit 2012 ist er zudem auf Kreisebene als Ausbilder für Motorkettensägen tätig.
Nach dem Ende seiner Amtszeit erschwerten ihm Schichtdienst und private Umstände zunehmend die regelmäßige Teilnahme am Feuerwehrgeschehen. Deshalb entschied er sich nach intensiven Gesprächen für den Wechsel in die Unterstützungsabteilung. Dort fehlen ihm derzeit allerdings konkrete Aufgaben und eine verlässliche Einbindung. Auch wünscht er sich ein einheitliches Konzept für Unterstützer innerhalb der Feuerwehr Kleve.
Für die Zukunft kann er sich eine stadtweite Gruppe mit regelmäßigen Treffen, organisatorischen Aufgaben und der gezielten Weitergabe von Wissen vorstellen. Denkbar wäre für ihn außerdem, berufliche und feuerwehrfachliche Erfahrungen stärker in Sondereinheiten wie Logistik oder Erkundergruppe einzubinden. Sein Ziel, bei veränderten beruflichen Rahmenbedingungen noch einmal in den aktiven Dienst zurückzukehren, hat er nicht aufgegeben.
„Das Leeren meines Spinds sowie die Abgabe von Einsatzkleidung und Melder waren für mich sehr schmerzhaft. Das ist, als wenn dich ein Teil der Familie verlässt. Trotzdem verfolge ich bis heute täglich, was bei der Feuerwehr passiert.“
– Thomas Riegeler, LZ Kleve
Oliver G. – eine andere Perspektive einbringen
Oliver G. Zugang zur Feuerwehr war die Jugendfeuerwehr Kranenburg. Die enge Verbindung wurde auch durch seine Familie geprägt, denn sein Vater, sein Bruder und sein Neffe waren oder sind ebenfalls Teil der Feuerwehr. Heute gehört er zur Löschgruppe Donsbrüggen.
Dort unterstützt er bei öffentlichen Veranstaltungen, etwa beim Auf- und Abbau sowie bei Bewirtung und Verpflegung. Darüber hinaus wirkt er bei Übungen mit, insbesondere wenn Szenarien zur Menschenrettung oder zu größeren Schadenslagen vorbereitet werden. Dabei bringt er seine eigene Sichtweise ein und hilft den Einsatzkräften, Abläufe aus einer weiteren Perspektive zu betrachten.
„Für die Kameradschaft und auch für die Gesellschaft stehe ich gerne zur Verfügung. Für die Zukunft wünsche ich mir, dass ich noch viele Jahre dabeibleiben kann und sich weitere Menschen für diese wichtige Aufgabe finden.“
– Oliver G., LG Donsbrüggen
Offene Form mit vielen Möglichkeiten
Ein einheitliches Profil lässt sich aus den vier Lebensläufen nicht ableiten. Die Unterstützungsabteilungen verbinden unterschiedliche persönliche Voraussetzungen mit den Bedarfen der jeweiligen Löschgruppen und -züge. Diese Offenheit schafft Spielraum, setzt aber eine bewusste Abstimmung voraus, damit aus Zugehörigkeit eine konkrete Form der Mitarbeit wird.
„Ich persönlich finde die Unterstützungsabteilung eine sehr gute Einheit. Kameradinnen und Kameraden, die nicht mehr im Einsatzdienst tätig sein können, erhalten dort eine wichtige Aufgabe und können die Feuerwehr weiter unterstützen. Gleichzeitig bietet sie Menschen mit besonderen Fähigkeiten die Möglichkeit, sich auch außerhalb des Einsatzdienstes sinnvoll einzubringen.“
– Heinrich Graven, stellv. Leiter der Feuerwehr Kleve
Aufgaben und Einbindung weiterentwickeln
Wie verbindlich Aufgaben beschrieben und Kontakte gepflegt werden, ist innerhalb der Unterstützungsabteilungen bislang unterschiedlich. Damit rückt neben den vorhandenen Möglichkeiten auch die organisatorische Weiterentwicklung in den Blick. Eine gemeinsame Linie könnte Orientierung geben, ohne die notwendige Flexibilität in den einzelnen Einheiten einzuschränken.
Die Unterstützungseinheiten zeigen, dass Feuerwehrdienst mehr umfasst als die unmittelbare Arbeit an der Einsatzstelle. Sie können Menschen über unterschiedliche Lebensphasen hinweg an die Organisation binden. Dauerhaft gelingt das dort, wo individuelle Möglichkeiten und konkrete Aufgaben verlässlich zusammenfinden.
Feature-Ausblick
Im nächsten Teil der Featurereihe richtet sich der Blick auf die Löschgruppe Donsbrüggen. Das Porträt zeigt, wie eine vergleichsweise kleine und junge Einheit besondere örtliche Risiken bewältigt, gemeinsam mit Rindern den Löschzug West bildet und sich aktiv in das Dorfleben einbringt.
Feuerwehr Kleve