Die Lampe über den sieben Monitoren des Arbeitsplatzes springt von Grün auf Rot. Ein Disponent in der Feuer- und Rettungsleitstelle des Kreises Kleve hat einen Notruf entgegengenommen – damit beginnt jeder Einsatz, noch bevor sich in der nächsten Minute entscheidet, welche Melder piepsen werden.
Ob Brand, Verkehrsunfall oder medizinischer Notfall – im Kreis Kleve gibt es rund 120 Alarmierungen täglich. Mit jedem Alarm startet ein eingespielter Ablauf, in dem Technik, Erfahrung und klare Kommunikation zusammenwirken. Binnen 45 bis 60 Sekunden steht fest, wer alarmiert wird und mit welchen Fahrzeugen ausgerückt wird.
Wie funktioniert das genau? Wer entscheidet, welche Einheit fährt? Und was passiert nach der Alarmierung? Dieser Bericht beleuchtet die Abläufe von der Leitstelle bis an die Einsatzstelle.
Die Leitstelle des Kreises Kleve – Herz der Alarmierung
Ohne sie im Hintergrund würde sich kein Rettungswagen, keine Drehleiter und kein Löschfahrzeug bewegen: Die Leitstelle des Kreises Kleve, die sich innerhalb der Kreisverwaltung befindet, ist rund um die Uhr besetzt und alarmiert Feuerwehr, Rettungsdienst und Krankentransporte. Darüber hinaus koordiniert sie Einsätze bei Großeinsatzlagen oder Katastrophen, aber auch bei Hochwasserlagen oder Bombenentschärfungen. Die Polizei wird übrigens nicht über die Leitstelle des Kreises Kleve für den Brandschutz, die Hilfeleistung, den Katastrophenschutz und den Rettungsdienst alarmiert, sondern verfügt über eine eigene Leitstelle.
Seit November 2023 steht Stefan Hartmann an der Spitze der Leitstelle. Er ist seit 2001 im Dienst, hat als Disponent begonnen und kennt die Abläufe von Grund auf. Als ausgebildeter Feuerwehrmann kennt er sowohl die Perspektive am Telefon als auch die Lage im Einsatz.
Die Organisation ist klar strukturiert: Neben der Leitung gibt es eine Stellvertretung, sechs Funktionsstellen für den Lagedienst, 2,5 Stellen für Technik und insgesamt 24 Disponenten. Gearbeitet wird im 24-Stunden-Schichtsystem; zu jeder Tages- und Nachtzeit sind fünf Disponenten gleichzeitig im Dienst – an 365 Tagen im Jahr.
Im Mittelpunkt steht Verantwortung: Hinter jedem Notruf steht ein Mensch, oft in einer Ausnahmesituation. In Sekunden müssen die richtigen Weichen gestellt werden – für durchschnittlich rund 120 Alarmierungen täglich im gesamten Kreisgebiet. Wichtig dabei: Die Leitstelle ist für alle Kommunen im Kreis Kleve zuständig, nicht nur für die Stadt Kleve.
Grundlage vieler Entscheidungen ist die Alarm- und Ausrückordnung (AAO). Sie legt fest, welche Einheiten mit welchen Fahrzeugen bei einem bestimmten Einsatzstichwort ausrücken. In den überwiegenden Fällen erfolgt die Alarmierung automatisiert anhand dieser Vorgaben. Bei außergewöhnlichen Lagen – etwa Großbränden oder parallelen Einsätzen – greifen Erfahrung und Lagebild: Das System macht Vorschläge, die finale Entscheidung bleibt aber beim Team der Leitstelle in Abstimmung mit den Einsatzleitern der Feuerwehren.
Kreisleitstelle Kleve
„Die meisten unserer Disponenten sind selbst in der Freiwilligen Feuerwehr aktiv. Unser System schlägt Alarmierungen vor, aber die Verantwortung liegt bei uns – und manchmal entscheidet eben das Bauchgefühl und die Erfahrung mit.“ – Stefan Hartmann, Leiter der Leitstelle des Kreises Kleve
Ablauf eines Notrufs – gezielte Fragen statt W-Fragen
Früher hieß es in der Ausbildung: „Die fünf W-Fragen durchgehen.“ Heute ist der Ablauf moderner und zielgerichteter. Wenn im Kreis Kleve die 112 gewählt wird, startet in der Leitstelle ein standardisierter und strukturiert, aber flexibel geführter Gesprächsablauf. „Wir leiten das Gespräch aktiv“, erklärt Stefan Hartmann. „Zuerst klären wir den exakten Einsatzort: Straße, Hausnummer, Besonderheiten wie Hinterhöfe oder Etagen sowie den Namen und die Rückrufnummer. Erst dann folgt: Was ist passiert?“
Bei Notrufen für den Rettungsdienst kann bereits während des Gesprächs ein Voralarm ausgelöst werden: Rettungswagen und ggf. Notarzt werden in Bereitschaft versetzt – ausgerückt wird erst mit der eigentlichen Alarmierung. So geht keine Zeit verloren, ohne dass Fahrzeuge zu früh auf die Strecke geschickt werden.
Ebenso wichtig: Wer ist betroffen? Ruft die betroffene Person selbst an oder berichtet jemand für eine andere Person? Ist der Anrufende vor Ort? Gerade im medizinischen Bereich zählen Details wie Alter, Geschlecht, Bewusstsein, Atmung, Verletzungsart und Gewicht, um das richtige Rettungsmittel zu wählen.
Das Gespräch beendet immer die Leitstelle – nie die anrufende Person. Am Ende wird transparent gesagt, was als Nächstes passiert: ob ein Rettungswagen unterwegs ist, ob Selbsthilfemaßnahmen nötig sind oder doch zuerst der Hausarzt sinnvollerweise aufgesucht werden sollte. In jedem Notruf wird der Anrufer am Ende des Gesprächs gebeten, sich erneut zu melden, wenn sich die Situation oder der Zustand verschlechtert oder verändert.
Bei Brandeinsätzen oder technischen Hilfeleistungen spielt zusätzlich die Erfahrung der Disponenten eine große Rolle. Das Einsatzleitsystem macht anhand der Alarm- und Ausrückordnung (AAO) Vorschläge; die finale Entscheidung trifft aber ein Mensch. „Kein Einsatz gleicht dem anderen. Die Mischung aus System, Wissen und Erfahrung ist unser Schlüssel zur richtigen Alarmierung“, sagt Hartmann.
Die AAO wird von jeder Kommune eigenständig festgelegt und auf örtliche Besonderheiten und Verfügbarkeiten abgestimmt. Zuletzt haben alle Feuerwehren des Kreises ihre AAO aktualisiert, sodass die Leitstelle seit Juni 2025 auf Basis der neuen Ordnung alarmiert.
Disponent am Arbeitsplatz
Technik und Systeme im Hintergrund
Damit aus einem Notruf ein gezielter, schneller und wirksamer Einsatz wird, braucht es mehr als ein gutes Gehör und einen klaren Kopf. Moderne Systeme unterstützen die Disponenten und verbessern gleichzeitig die Kommunikation mit der Bevölkerung. In der Leitstelle arbeitet jeder Disponent an sieben eigenen Monitoren; zusätzlich zeigen mehrere Großbildschirme im Raum Lage- und Statusübersichten, Karten, Warnlagen und besondere Hinweise.
Ein zentrales Hilfsmittel ist Advanced Mobile Location (AML): Sobald die 112 gewählt wird, übermittelt das Smartphone in den meisten Fällen automatisch präzise Standortdaten. „Gerade bei medizinischen Notfällen, in Wäldern oder auf Landstraßen zählt jede Minute. AML zeigt uns sehr genau, wo sich die anrufende Person aufhält – auch wenn die Rufnummer unterdrückt ist“, erklärt Stefan Hartmann.
Überwachung des Reichswaldes durch ein Kamerasystem
Ein weiteres Werkzeug ist EmergencyEye. Per SMS-Link kann die Leitstelle einen Live-Kamerazugriff aktivieren – hilfreich, wenn die Lage schwer zu beschreiben ist (z. B. bei Verkehrsunfällen, Bränden, instabilen Gebäuden). Außerdem bietet das System einen automatisch übersetzten Chat für Fälle mit Sprachbarrieren sowie eine Bestimmung der genauen Ortsdaten.
Auch Menschen mit Hör- oder Sprachbeeinträchtigungen können im Kreis Kleve barrierefrei Hilfe rufen: Die Nora-Notruf-App wird wie ein klassischer Notruf behandelt. Der Hilfesuchende hat die Möglichkeit, über einen Chat sein Anliegen anzubringen und der Disponent kann ihn wie in einem Notrufgespräch abfragen.
Eine Besonderheit im Kreisgebiet ist Firewatch: ein KI-gestütztes Kamerasystem zur frühen Erkennung von Waldbränden. Auf dem Geldenberg bei Kleve und wenigen anderen Standorten im Kreis Kleve überwacht eine Kamera den Reichswald dauerhaft und erkennt aufkommenden Rauch automatisch.
Herausforderungen im Einsatzalltag
Die Arbeit in der Leitstelle ist geprägt von Geschwindigkeit und Präzision – und davon, unter Druck Ruhe zu bewahren. Kein Tag ist wie der andere: parallele Einsätze, extreme Wetterereignisse oder Großeinsatzlagen stellen die Disponenten regelmäßig vor besondere Herausforderungen. „Flächenlagen wie Unwetter oder Hochwasser sind besonders fordernd, weil plötzlich sehr viele Notrufe gleichzeitig eingehen“, berichtet Stefan Hartmann. Auch Großveranstaltungen wie das Parookaville-Festival in Weeze verlangen besondere Vorbereitung und Aufmerksamkeit. Hinzu kommen Großbrände oder Verkehrsunfälle mit vielen Beteiligten, bei denen Kräfte aus mehreren Städten koordiniert werden müssen. Währenddessen muss natürlich das normale Tagesgeschäft auch weiterlaufen.
Ein weiteres Thema ist der Missbrauch des Notrufs, ob absichtlich oder aus Unwissenheit. Jeder Anruf wird dokumentiert, auch bei unterdrückter Nummer. Grundsätzlich wird alarmiert, selbst wenn ein Anruf merkwürdig erscheint; ob es ein Fehlalarm oder eine Straftat war, klären später Polizei, Staatsanwaltschaft oder die Feuerwehrführung.
Mit über 100 Einsätzen täglich im Rettungsdienst und Brandschutz zeigt der Kreis Kleve ein konstant hohes Einsatzniveau: Viele Landstraßen bedeuten viele Verkehrsunfälle. Immer häufiger ist dabei die Handynutzung am Steuer die Ursache – nicht selten geraten Fahrzeuge dadurch in den Gegenverkehr. Hinzu kommen zunehmend Einsätze durch ausgelöste Rauchmelder sowie neue Einsatzarten wie Pedelec-Unfälle und Akkubrände in Entsorgungsanlagen oder Gebäuden mit moderner Technik. Trotz aller Routine gleicht keine Alarmierung der anderen – und die Zeit drängt: Im Durchschnitt vergeht weniger als eine Minute vom Notruf bis zur Alarmierung der ersten Einsatzmittel.
„Nach jedem Einsatz gibt es eine Form der Nachbereitung. Fehler passieren – gerade nach einer Umstellung der AAO. Wichtig ist, dass wir sie offen ansprechen und Abläufe anpassen, damit es beim nächsten Einsatz dieser Art nicht mehr vorkommt.“ – Ralf Benkel, Leiter der Feuerwehr Kleve
Von der Leitstelle zum Feuerwehrmitglied
Sobald die Leitstelle zu einem Einsatz alarmiert, werden die Mitglieder der Feuerwehr Kleve über zwei parallele Systeme nahezu zeitgleich alarmiert: den digitalen Meldeempfänger (DME) und die aPager-App auf dem Smartphone. Die App alarmiert über das Internet quasi zeitgleich. die DME sind aufgrund der Verschlüsselung etwa zehn Sekunden langsamer. Die Kombination hat sich bewährt, da dies zu einer maximalen Erreichbarkeit der Einsatzkräfte führt und diese mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit auf mindestens einem der beiden Kanäle erreicht werden.
Nachdem das flächendeckende Sirenennetz nach dem Ende des Kalten Krieges zunächst stark zurückgebaut wurde, erlebt es heute bundesweit einen erneuten Ausbau und wird regelmäßig getestet. Die Sirenen dienen in erster Linie dem Katastrophen- und Bevölkerungsschutz – ein Thema, das angesichts der weltweiten Lage und nicht zuletzt durch die Flutkatastrophe im Ahrtal neue Aktualität gewonnen hat.
„Der digitale Meldeempfänger sichert die Grundabdeckung, unabhängig von Netzschwankungen. Die App ergänzt um Rückmeldungen und Übersicht. In Kombination erreichen unsere Alarme zuverlässig die Einsatzkräfte.“ – Karl-Heinz Stoffels, Leiter Fachbereich 6: Information & Kommunikation
Wenn der Melder geht
Mit dem Alarm auf dem digitalen Meldeempfänger (DME) oder in der aPager-App trifft jedes Mitglied zunächst eine persönliche Entscheidung: Bin ich einsatzfähig? Gesundheit, Beruf oder Familie können ein sofortiges Ausrücken verhindern. Wer verfügbar ist, gibt kurz Rückmeldung in der App – so hat die Einheitsführung schon vor Eintreffen am Gerätehaus einen ersten Überblick über die voraussichtliche Besetzung. Grundsätzlich werden Angehörige der Freiwilligen Feuerwehr für Einsätze – sofern nicht ausnahmsweise betrieblich unmöglich – vom Arbeitgeber freigestellt. Die dadurch entstehenden Ausfallkosten kann der Arbeitgeber gegenüber der Stadt Kleve geltend machen; viele Unternehmen verzichten jedoch darauf.
Im Gerätehaus geht es zügig: Einsatzkleidung an, Fahrzeugaufteilung, Abfahrt. Erreicht ein Fahrzeug die Mindeststärke, rückt es aus; Nachrückende schließen sich dem nächsten an.
DME und App in Kombination
Die Anfahrt zum Gerätehaus erfolgt privat. Rechtlich können dabei Sonderrechte (§35 StVO) in Anspruch genommen werden; ohne Sondersignale sind sie jedoch nicht für andere Verkehrsteilnehmer kenntlich zu machen. Deswegen gilt dabei besonders die Verhältnismäßigkeit. Grundsatz bei beiden Fahrten: Sicherheit vor Schnelligkeit – lieber eine Minute später ankommen, als noch selbst zur Einsatzstelle zu werden.
Mit Blaulicht und Martinshorn zum Einsatzort
Sobald ein Fahrzeug die Mindeststärke erreicht, rückt es aus. Wegerecht besteht nur, wenn das blaue Blinklicht und Martinshorn (Einsatzhorn) gleichzeitig eingeschaltet sind; Blaues Blinklicht allein warnt, andere Verkehrsteilnehmer müssen dann den Weg offiziell nicht frei machen (§38 StVO). Deswegen fahren Einsatzfahrzeuge auch nachts mit beiden Signalen – das ist nötig, damit andere Beteiligte im Straßenverkehr rechtzeitig reagieren und freie Fahrt gewährleistet ist. So muss die Stadt Beschwerden in Kauf nehmen, wenn es vereinzelten Anwohnenden bisweilen als störend erscheint (wahrscheinlich nur solange, wie die Kräfte nicht gerade zu ihnen selbst unterwegs sind).
Lagebesprechung an der Einsatzstelle
Auf der Anfahrt legt der Gruppenführer je nach Einsatzstichwort und aktuellen Lagemeldungen der Leitstelle die ersten Schritte fest. Außerdem kann er bereits Hydrantenstandorte in Straßenplänen und – sofern vorhanden – Feuerwehr- bzw. Gebäudepläne sichten. Die Besatzung rüstet sich mit Funkgeräten und Lampen aus; die Rollen sind durch die Sitzordnung festgelegt. Je nach Lage wird Atemschutz vorbereitet und das erste Vorgehen abgestimmt.
Am Einsatzort läuft vieles parallel: Während der Einsatzleiter die Lage erkundet oder erkunden lässt, beginnen die Kräfte mit den Erstmaßnahmen – von Absicherung der Einsatzstelle über Brandbekämpfung bis zur technischen Hilfeleistung. Grundsatz der Prioritäten: zuerst Rettung von Menschenleben, danach Tiere, die Umwelt und anschließend Sachwerte („Menschenrettung vor Brandbekämpfung“). Natürlich muss eventuell zuerst gelöscht werden, um eine Rettung zu ermöglichen. Die Abläufe greifen ineinander, damit keine Zeit verloren geht.
Anpassung der Alarmierung am Einsatzort
Zwischen Notruf und Eintreffen können sich Lagen rasch verändern. Aus einem als Kleinbrand gemeldeten Ereignis kann ein Schadenfeuer werden – etwa wenn Flammen aus einer Garage bereits auf ein Wohnhaus übergreifen. Der Einsatzleiter prüft darum in der Ersterkundung, ob das gemeldete Stichwort noch passt. Falls nicht, veranlasst er über die Leitstelle eine Stichworterhöhung – oder, wenn die Lage kleiner ist als gemeldet, eine Reduzierung.
Eine Erhöhung führt zur Nachalarmierung weiterer Kräfte und Mittel: eine Drehleiter, die Erkundergruppe mit Drohne, die Sondergruppe Logistik bei langen Einsätzen oder gezielt mehr Atemschutzgeräteträger und das zugehörige Material. Bei Bedarf wird überörtliche Hilfe angefordert – die Feuerwehren im Kreis unterstützen sich gegenseitig, sodass auch Einheiten aus benachbarten Städten kurzfristig hinzugezogen werden können.
Unterstützungsfahrzeuge des Kreises
„Bei bestimmten Stichworten werden wir direkt von der Leitstelle mitalarmiert – zum Beispiel bei bestimmten Lagen auf dem Rhein oder einem Waldbrand bei hoher Waldbrandgefahrstufe, wo eine Lageübersicht aus der Luft entscheidend ist. In anderen Fällen kommen wir erst später ins Spiel und werden von der Einsatzleitung nachgefordert, etwa wenn sich eine Schadenslage ausbreitet oder schwer zugängliche Bereiche erkundet werden müssen.“ – Florian Pose, Leiter der Sondereinheit „Erkundergruppe“
Abschluss und Nachbereitung eines Einsatzes
Über den offiziellen Abschluss entscheidet der Einsatzleiter. Sobald die Lage beherrscht ist und keine akute Gefahr mehr besteht, werden Kräfte schrittweise aus dem Einsatz herausgelöst. Häufig folgen Nachlösch- und Kontrollarbeiten – etwa um Glutnester auszuschließen oder die Einsatzstelle dauerhaft zu sichern – und die Übergabe an Polizei, Eigentümer oder Versorger.
Im Anschluss beginnt die Nachbereitung: Rückbau und Absicherung, Geräte prüfen, Schläuche und Material tauschen, Atemschutz und Flaschen füllen, PSA reinigen (Einsatzstellenhygiene) sowie Fahrzeuge wieder voll bestücken. Parallel erfolgt die Dokumentation mit Einsatzbericht und Zeiten.
Zur Qualitätssicherung werten Feuerwehr und Leitstelle den Einsatz aus: Haben Alarmierung und Stichwort gepasst? Waren Nachalarmierungen sinnvoll? Gab es besondere Vorkommnisse? Erkenntnisse fließen direkt in Abläufe und AAO ein. Nach Bedarf findet eine Nachbesprechung statt; bei belastenden Einsätzen steht das PSU-Team bereit.
In den ersten Minuten steckt mehr, als von außen zu sehen ist: Entscheidungen, Vorbereitung, Koordination. Genau dafür gibt es klare Abläufe – damit die richtigen Kräfte mit den richtigen Mitteln zur richtigen Zeit am richtigen Ort sind.
Ausblick nächstes Feature
Im nächsten Beitrag wechseln wir die Perspektive von der Leitstelle in die Fahrzeughalle. Im Porträt des Löschzugs Kleve geht es um die meist alarmierte Einheit im Stadtgebiet. Im Mittelpunkt stehen die Mannschaft hinter dem Alarm, der Alltag an der Hauptwache und Einsätze, die Kleve besonders prägen. Welche Aufgaben übernimmt der Löschzug alltäglich, welche Abläufe arbeiten im Hintergrund und wie verbindet sich 125 Jahre Geschichte mit den Anforderungen von heute?
Zusätzliche Informationen
Mobile Retter – Alarmierung per App
Neben Feuerwehr und Rettungsdienst werden im Kreis Kleve auch Mobile Retter alarmiert. Sie sind medizinisch geschulte Ersthelfer, die über eine App auf ihrem Smartphone alarmiert werden, sobald sich ein medizinischer Notfall in ihrer unmittelbaren Nähe ereignet.
Mobile Retter überbrücken die Zeit bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes und können so lebenswichtige Minuten gewinnen, etwa bei Herz-Kreislauf-Stillständen.
„Mobiler Retter bin ich aus Überzeugung etwas Gutes für meine Mitmenschen zu tun. Dabei kann ich mein Wissen als Notfallsanitäter einsetzen und die Hilfsfrist überbrücken“, erklärt Peter Groenewald, Mobiler Retter aus Kleve.
Mehr als 700 Freiwillige sind kreisweit bereits aktive Mobile Retter und wurden seit 2017 bei über 3.900 Einsätzen alarmiert – durch die örtliche Nähe sind sie oft vor dem Rettungsdienst vor Ort.
Grundlage jeder Alarmierung ist die sogenannte Alarm- und Ausrückordnung (AAO). Sie wurde für die Feuerwehren im gesamten Kreis Kleve 2024 & 2025 überarbeitet und deutlich verschlankt.
Stichworte wie „Nachlöscharbeiten“ in der neuen Stufe B0 (Brand null) senken die Dringlichkeit – hier rücken die Einheiten wahrscheinlich ohne Sonderrechte aus. Das Schlagwort „B4“ steht dagegen für eine Großalarmierung bei schweren Lagen. Diese Stufe wird allerdings nie von der Leitstelle direkt alarmiert, sondern erst durch die Entscheidung des Einsatzleiters vor Ort kommuniziert.