Porträt des Löschzuges Kleve

Einsatzbereit im Herzen der Stadt

Der Löschzug Kleve ist die am stärksten geforderte Einheit der Stadt. Der Löschzug deckt das dicht bebaute Stadtzentrum ab – mit Wohngebieten, öffentlichen Einrichtungen, Schulen, Gewerbe und stark frequentierten Verkehrsachsen. Von der Hauptwache an der Brabanter Straße rücken die Einsatzkräfte jährlich rund 260-mal aus. Seit September 2025 führt Jürgen Buil den Löschzug Kleve interimsweise. Zuvor stand Eric Praast für drei Jahre an der Spitze des Löschzugs. Buil möchte vor allem die Beanspruchung der Kameradinnen und Kameraden reduzieren.

„Mit Anpassungen der Alarm- und Ausrückordnung für den Löschzug Kleve verteilen wir die Einsätze besser und senken die Belastung des Einzelnen. Wichtig ist mir, dass Führungskräfte die Möglichkeit haben die Verantwortungsebene zu übernehmen, die zu ihrer Funktion passt – so wächst Erfahrung systematisch.“
Jürgen Buil, Löschzugführer LZ Kleve

Zahlen, Fakten, Zuständigkeit

Das Stadtzentrum als Zuständigkeitsbereich spiegelt sich direkt im Einsatzgeschehen wider: Ein großer Anteil entfällt dabei auf kleinere, aber häufige Lagen wie Türöffnungen, die Rettung von Personen aus Aufzügen oder das Binden und Aufnehmen auslaufender Betriebsstoffe. Hinzu kommen Brandeinsätze, technische Hilfeleistungen und die Unterstützung bei größeren Einsatzlagen im Stadtgebiet.

Die Einheit zählt derzeit 36 aktive Mitglieder (Stand Oktober 2025). Ziel ist eine Verstärkung auf etwa 50 Kräfte, um das Einsatzaufkommen dauerhaft bewältigen zu können. Dazu kommen 19 Kameradinnen und Kameraden aus der Ehrenabteilung und drei aus der Unterstützungseinheit. Zum Fuhrpark gehören ein Mittleres Löschfahrzeug (MLF), eine Drehleiter (DLK), ein Rüstwagen (RW) sowie zwei Löschfahrzeuge (LF), wobei das LF 20/1 bei den meisten Einsätzen als erstes ausrückt. Für die kommenden Jahre ist ein neues Hilfeleistungslöschfahrzeug (HLF) geplant.

 

Auslaufende Betriebsstoffe nach Verkehrsunfall

125 Jahre Geschichte und Wandel

Der Löschzug Kleve blickt auf eine lange Geschichte zurück. Als die Freiwillige Feuerwehr Kleve im Jahr 1900 gegründet wurde, war dies gleichzeitig auch der erste und einzige Löschzug der Stadt. Als offizieller Gründungstag gilt der 23. Januar 1900, als sich der erste Vorstand bildete. Das erste öffentliche Auftreten folgte wenige Monate später beim Generalappell auf dem Großen Markt. Weitere Einheiten wurden erst in den folgenden Jahren und Jahrzehnten in den jeweiligen Orten gegründet und nach und nach der Stadt Kleve und damit der Feuerwehr Kleve angeschlossen. Mit der Eingemeindung und dem Wachstum der Stadt entwickelte sich daraus die heutige Struktur mit zwölf Löscheinheiten im gesamten Stadtgebiet. Im Jahr 2025 feierte die Einheit ihr 125-jähriges Bestehen beim alljährlichen Stadtfeuerwehrfest in der Klever Stadthalle.

Treffen der Ehrenabteilung beim LZ Kleve 2025

Über die Jahrzehnte hinweg hat sich das Einsatzgeschehen gewandelt. Vor dem Zweiten Weltkrieg verfügte die Wehr über drei Löschfahrzeuge, zwei Mannschaftswagen, zwei Krankenwagen, rund 2,5 Kilometer Schlauchmaterial und persönliche Ausrüstung mit jeweils zwei Garnituren für 150 Wehrleute. Nach Kriegsende war davon fast nichts mehr übrig. Erst mit der Übergabe eines neuen LF 25 im August 1945 konnte der Betrieb wieder aufgenommen werden. Dieses Löschfahrzeug wurde jedoch komplett ohne Schläuche geliefert und nur durch eigenes Engagement der aktiven Kameraden konnte genug Material für Einsätze aufgetrieben werden. In den nächsten knapp fünf Jahren verzeichnete der Löschzug insgesamt 180 Einsätze, darunter 24 Großbrände und 14 (auswärtige) Bunker-Sprengungen. Darunter waren viele Waldbrände sowie zahlreiche Nachkriegs-Einsätze, etwa bei Trümmer- und Brandstellen, Sicherungsmaßnahmen und Gefahrenstellen. Im Jahr 1990 waren es dann schon rund 79 Einsätze, die Sturmlagen nicht mitgerechnet. Die Zahlen zeigen bereits den langfristigen Trend. Mit der wachsenden Stadt steigen Aufgabenbreite und Einsatzdichte.

„Wir waren damals 60 Aktive. Die Wache war voll, der Rettungsdienst war mit im Gebäude und einige Kameraden haben sogar darüber gewohnt. Für viele von uns war Feuerwehr unser Leben. Die Technik war größtenteils handbetrieben, aber die Kameradschaft war stark.“
Michael Nuy, aktiv im LZ Kleve von 1980 - 2022

Der Löschzug Kleve war stets mit guter Qualität ausgestattet. Gleichzeitig passten sich Ausbildung, Organisation und Kommunikation kontinuierlich an die jeweiligen Anforderungen an. Dabei bleibt das Ziel seit 125 Jahren dasselbe: Im Notfall schnell und zuverlässig zur Stelle zu sein.

Einsatzabläufe und Organisation

Die Einsatztätigkeit des Löschzugs Kleve erfordert eine zuverlässige interne Organisation. Unter der Interimsführung von Jürgen Buil wird die Alarm- und Ausrückordnung (AAO) überprüft. Sie legt fest, welche Kräfte und Fahrzeuge bei bestimmten Stichworten alarmiert werden und wie die Führungsstruktur bei einem Einsatz aufgebaut ist. Ziel ist, die Einsatzbeteiligung sowie die Führungsverantwortung breiter zu streuen und damit die Belastung des Einzelnen zu senken. Parallel sollen Übungsqualität und Ausbildungsstand gezielt angehoben werden.

„Der Löschzug Kleve ist eine enge Gemeinschaft Gleichgesinnter mit unterschiedlichem Background, aber mit dem Herzen an der richtigen Stelle und dem unwiderruflichen Willen helfen und unterstützen zu wollen“
– Daniel Scholz, stellvertretender Leiter der Feuerwehr Kleve

Das Einsatzgeschehen wird durch einen klar strukturierten Übungs- und Dienstplan ergänzt. An jedem zweiten, dritten und vierten Freitag im Monat finden reguläre Ausbildungsdienste statt. Hinzu kommt ein technischer Dienst, bei dem Fahrzeuge gereinigt, Ausrüstung geprüft und organisatorische Aufgaben erledigt werden. Vor jeder Übung wird gezielt ein Feuerwehrknoten wiederholt. Schwerpunkte der Übungen im Jahr 2024 waren Einsätze im Bereich chemischer, biologischer, radiologischer und nuklearer Gefahren (CBRN), 2025 wurde mehr die klassische Brandbekämpfung in den Vordergrund gestellt.

Heute steht neben der Einsatzbereitschaft auch die Belastungssteuerung im Fokus. Eine aktuelle Herausforderung für die Führung des Löschzuges ist es, neue Mitglieder gut zu integrieren, aber gleichzeitig auch niemanden zu überlasten.

Einsatz Alte Post, 2024

Ausbildung und Nachwuchs

Viele der heute aktiven Mitglieder des Löschzugs Kleve haben ihren Weg über die Jugendfeuerwehr begonnen. Die Übergänge sind dabei bewusst frühzeitig und gut organisiert. Jugendliche dürfen noch in der Jugendfeuerwehr an Übungsabenden des Löschzugs teilnehmen, lernen die Strukturen kennen und knüpfen erste Kontakte.

„Ich durfte schon mit 17 bei den Übungen des Löschzugs dabei sein und habe alle Abläufe kennengelernt. Herzlich aufgenommen wurde ich von einer starken Truppe mit viel Erfahrung und großem Engagement. Jeder hatte etwas zu erzählen – aus Einsätzen, von früher und aus dem Alltag.“
– Jessin Zeitler, seit 2021 beim LZ Kleve

 

Seine Erfahrung verdeutlicht, dass Nachwuchsarbeit nicht nur Ausbildung vermittelt, sondern vor allem Integration und Austausch zwischen Generationen ermöglicht.

Stärkung zum Wandertag 2025

Zusammenarbeit und Kameradschaft

Der Löschzug Kleve ist nicht nur in der Stadtmitte aktiv, sondern arbeitet auch eng mit anderen Einheiten zusammen. Besonders nah ist der Austausch mit den Löschzügen Materborn und Kellen sowie der Löschgruppe Reichswalde. Mit diesen werden regelmäßig gemeinsame Übungen durchgeführt und größere Einsatzstellen zusammen bewältigt.
Darüber hinaus wird das Miteinander auch außerhalb des Einsatzgeschehens gepflegt. Diese Kontakte tragen dazu bei, dass Kommunikation und Zusammenarbeit im Einsatz routiniert funktionieren. Kameradschaftsabende, spontane Treffen und die gemeinsame Teilnahme an Veranstaltungen gehören zum festen Jahresprogramm.

Die vielfältigen Einsätze erfordern Teamgeist – nicht nur innerhalb der Einheit, sondern stadtweit. Gerade bei parallelen Alarmierungen oder bei Großschadenslagen zeigt sich, wie wichtig ein verlässliches Netzwerk ist. Der Löschzug Kleve leistet hierzu einen wesentlichen Beitrag.

„Der Löschzug Kleve funktioniert ausgezeichnet – personell, technisch, organisatorisch. Und er funktioniert vor allem im Zusammenspiel mit anderen Zügen. Dieses Vertrauen untereinander ist ein zentraler Bestandteil unserer Struktur.“
– Ralf Benkel, Leiter der Feuerwehr Kleve

Ausblick: Mannschaft, Technik, Standort

Auch in den kommenden Jahren wird der Löschzug Kleve stark gefordert sein. Die hohe Einsatzzahl, die zunehmende Verdichtung des Stadtzentrums sowie die Anforderungen an eine moderne Gefahrenabwehr stellen die Einheit vor konkrete Aufgaben.

Ein zentraler Punkt bleibt dabei die personelle Entwicklung. Die Mannschaft ist motiviert und erfahren, doch aktuell zu klein, um die Einsatzlast dauerhaft zu tragen. Parallel bleibt die Gewinnung neuer Mitglieder eine zusätzliche Priorität. Entscheidend wird sein, Belastung, Ausbildung und Nachwuchsgewinnung in Balance zu halten.

Technisch ist ein neues Hilfeleistungslöschfahrzeug (HLF) in Planung sowie ein zusätzliches Mannschaftstransportfahrzeug (MTF) auf der Wunschliste der Löschzugführung. Ziel ist, die Leistungsfähigkeit im Bereich Brandbekämpfung und technische Hilfeleistung zu sichern und zugleich  die Personalbewegungen bei Ausbildung und Einsätzen flexibler abzudecken.

Darüber hinaus ist die Zukunft der Hauptwache ungewiss, da der aktuelle Standort räumlich und funktional an seine Grenzen gestoßen ist. Ein möglicher Neubau wird derzeit geprüft. Da sich die Umweltbetriebe der Stadt Kleve (USK) ebenfalls auf dem Gelände und damit in direkter Nachbarschaft zur Hauptwache befinden, wird es eine große Herausforderung sein, eine für beide Seiten zufriedenstellende Lösung zu finden.

Feature-Ausblick

Im nächsten Feature richtet sich der Blick auf einen Bereich, der im Einsatz oft selbstverständlich wirkt und im Hintergrund doch entscheidend ist: die Digitalisierung. Von der Alarmierung über digitale Funktechnik und Gebäudefunk bis zur zentralen Plattform Feuernetz und der Lageführung mit Fireboard sind heute viele Abläufe vernetzt und nachvollziehbar. Es wird gezeigt, wie sich Prozesse beschleunigen lassen, wie Informationen an der Einsatzstelle zusammenlaufen und warum Technik nur dann einen Vorteil bringt, wenn sie praxisnah entwickelt, geschult und im Alltag zuverlässig gepflegt wird.

Autor: Maurice Coenjaerts