Portrait der Löschgruppe Wardhausen-Brienen

Vom Löschkarren zur spezialisierten Einheit

Als Hans-Josef Janßen 1983 in die Feuerwehr eintrat, war Wardhausen-Brienen eine kleine Löschgruppe mit rund 14 Kameraden und höchstens zwei Einsätzen im Jahr. Mitte der 1980er-Jahre sank die Mannschaftsstärke zeitweise sogar auf acht Aktive. Feuerwehr bedeutete zu dieser Zeit vor allem soziales Miteinander und Kameradschaft, während Ausbildung und Übungen noch einen anderen Stellenwert hatten als heute. Jan-Matti Jaspers wechselte 2024 nach fünf Jahren in der Jugendfeuerwehr in den aktiven Dienst. Heute zählt die Einheit 31 aktive Kameradinnen und Kameraden, fährt rund 50 Einsätze im Jahr und trainiert deutlich intensiver für ein wesentlich breiteres und anspruchsvolleres Einsatzspektrum. Mit Einsatzleitwagen und Rettungsboot übernimmt sie zudem Aufgaben, die über die beiden Ortsteile hinausreichen. Vieles hat sich verändert. Beide beschreiben dennoch denselben Kern der Löschgruppe, nämlich Zusammenhalt und das Funktionieren als Mannschaft.

Eine Mannschaft mit vielen Aufgaben

Das Einsatzgebiet der Löschgruppe Wardhausen-Brienen reicht von Wohnbereichen bis zum großen Industriegebiet im Norden Kleves. Alarmiert wird für Brandmeldeanlagen, technische Hilfeleistungen, Brände, Einsätze des Rettungsbootes und die Führungsunterstützung durch den ELW 1. 2025 verzeichnete die Löschgruppe mit genau 50 Einsätzen den höchsten Jahreswert ihrer bisherigen Geschichte. 2026 war diese Marke bereits nach drei Vierteln des Jahres erneut erreicht. Die Zahl der ELW-Einsätze liegt ungefähr auf dem Niveau der übrigen Alarmierungen, mehrmals im Jahr kommt außerdem das Boot zum Einsatz. Zur aktiven Mannschaft gehören heute 31 Kameradinnen und Kameraden, darunter vier Frauen.

Umzug am Spoykanal zum 75-jährigen Jubiläum

Karl-Heinz Stoffels kennt die Entwicklung seit 1991. 19 Jahre lang war er Schriftführer, seit 2020 führt er die Löschgruppe. Sein Start in dieser Funktion fiel unmittelbar in die Corona-Pandemie und damit in eine Zeit, in der Übungsbetrieb, Kameradschaft und Organisation immer wieder neu geplant werden mussten. 2026 wurde er als Löschgruppenführer wiedergewählt. Heute reicht die Altersstruktur der Aktiven ungefähr von 18 bis 63 Jahren. Mehrere Mitglieder bringen sich zusätzlich in der Jugendfeuerwehr, Sondereinheiten oder Fachbereichen ein.

„Wir haben in der Löschgruppe ganz unterschiedliche Charaktere und Fähigkeiten. Genau das ist unsere Stärke: Jeder bringt etwas anderes mit und wenn es darauf ankommt, funktioniert die Mannschaft zusammen.“
– Karl-Heinz Stoffels, Löschgruppenführer Wardhausen-Brienen

Trennung der Einheit nach dem 2. Weltkrieg

Die gemeinsame Geschichte begann am 5. Oktober 1938 mit neun Gründungsmitgliedern aus Brienen und Wardhausen. Die erste Ausrüstung passte auf einen handgezogenen Karren, ein Behelfsraum in einer Scheune diente als Depot. Nach dem Zweiten Weltkrieg mussten beide Orte nahezu von vorn beginnen. Durch die kommunale Neuordnung entstanden 1947 zwei selbstständige Löschgruppen. Brienen gehörte zum Amt Griethausen, Wardhausen zum Amt Rindern.

In Brienen stellte der Wirt Köbes van Bentum zunächst seinen Schuppen für den Löschkarren zur Verfügung. 1953 entstand mit erheblicher Eigenleistung ein eigenes Feuerwehrhaus, das zugleich als Versammlungs- und Schulungsraum diente. Ein Jahr später mussten sie bei einem Scheunenbrand bei Temperaturen um minus 20 Grad improvisieren. Pumpe und Schläuche froren ein, schließlich wurde das Feuer mit Jauche bekämpft. 1956 löste eine Sirene die bis dahin teilweise übliche Alarmierung per Fahrrad und Alarmhorn ab.

Wardhausen verfügte 1947 über einen Schlauchkarren, eine DKW-Pumpe TS 8/8 und etwas Schlauchmaterial. Die Ausrüstung lag zunächst in der sogenannten Paddelhött bei Kup, einer schlechten Notunterkunft. 1964 erhielt die Löschgruppe ein neues Gerätehaus, 1965 ersetzte ein Tragkraftspritzenanhänger den alten Löschkarren. Trotz der organisatorischen Trennung arbeiteten beide Einheiten bei Einsätzen eng zusammen. Diese Verbindung war ein wichtiger Hintergrund für die spätere Wiedervereinigung.

1970 wieder vereint

Ende der 1960er-Jahre stand die Zukunft der Briener Löschgruppe zur Diskussion. Wegen ihrer vergleichsweise geringen Ausstattung erwog die Stadt Kleve eine Auflösung und die Zuordnung von Mannschaft und Material zu Griethausen. Dazu kam es nicht, denn am 25. Juli 1970 wurden Brienen und Wardhausen per Versammlungsbeschluss wieder zusammengelegt. Als gemeinsamer Standort diente das größere Gerätehaus in Wardhausen. Die beiden vorhandenen Tragkraftspritzenanhänger wurden durch ein LF 8 ersetzt.

1975 folgte ein neues LF 8, 1986 wurde das Gerätehaus renoviert. In diese Zeit fiel zugleich eine schwierige personelle Phase. Mitte der 1980er-Jahre sank die Mitgliederzahl nach einem Zerwürfnis zeitweise auf nur noch acht. Nach kräftigem Rühren der Werbetrommel traten 1987 sieben Männer aus Wardhausen und Brienen nahezu gleichzeitig ein. Dieser Jahrgang wurde zu einem wichtigen personellen Fundament für die folgenden Jahrzehnte und prägt die Löschgruppe bis heute.

Gerätehaus Wardhausen

Hans-Josef Janßen übernahm 1994 die Führung der Löschgruppe und blieb 21 Jahre Löschgruppenführer. Während seiner gesamten Amtszeit war Manfred Goris sein Stellvertreter. In diese Jahre fielen enorme Veränderungen bei Ausbildung, Fahrzeugen, Unterbringung und Einsatzaufgaben. Die Mannschaft wurde größer, Lehrgänge und regelmäßiges Üben gewannen an Bedeutung und das Einsatzspektrum wurde breiter. Für Hans-Josef gehörte zur Führung aber immer auch der Umgang miteinander. Meinungsverschiedenheiten sollten nicht mit nach Hause genommen werden, ohne sich wenigstens noch einmal angesehen und die Hand gegeben zu haben. Entscheidend war für ihn, dass man trotz unterschiedlicher Auffassungen weiter miteinander arbeiten und als Mannschaft funktionieren konnte.

In den kommenden Jahren wird für ihn selbst ein neuer Abschnitt beginnen. Gemeinsam mit mehreren Kameraden aus dem starken Eintrittsjahrgang von 1987 wird er perspektivisch in die Alters- und Ehrenabteilung wechseln. Darauf blickt Hans-Josef Janßen durchaus positiv. Er verbindet damit die Hoffnung, dass dort wieder mehr gemeinsames Leben entsteht, man sich häufiger trifft, Übungen besucht und der Kontakt zur aktiven Mannschaft eng bleibt.

„Grundlage ist immer, sich gegenseitig Vertrauen zu schenken und auf Augenhöhe zu arbeiten. Egal, wie lange jemand schon dabei ist oder welche Ausbildung er genossen hat, man muss sich gegenseitig achten und unterstützen.“
– Hans-Josef Janßen, Löschruppe Wardhausen-Brienen

Erlebnisse, die die Einheit geprägt haben

Zu den Einsätzen, die über Jahre nachwirkten, gehört besonders das Hochwasser 1993. Rund anderthalb Wochen war die Löschgruppe nahezu durchgehend im Einsatz. Aus den Erfahrungen dieser Lage entwickelte sich die Bootskomponente weiter. 1995 wurde das mit viel Eigenleistung aufgebaute und durch Spenden mitfinanzierte Feuerwehrboot offiziell getauft. Elf Jahre später kam ein Bootsanleger an der Schleuse hinzu. Wasserrettung gehört seitdem fest zum Profil der Löschgruppe

Auch das alte Gerätehaus wurde irgendwann zu klein für die wachsende Mannschaft und die größeren Fahrzeuge. Das 1997 übernommene LF 8/6 Allrad passte nach Umbauten am Depot und der abschüssigen Zufahrt nur mit wenigen Zentimetern Spielraum durch das Tor. Damit eine Hälfte der Mannschaft überhaupt an ihre Einsatzkleidung an Hacken an der Wand herankam, musste das LF erst herausgefahren werden, ohne Abgasabsaugung am Auspuff des Dieselmotors.

Arbeit an der Johanna Sebus
Richtfest am 25. September 2009

Die weiter wachsende Mannschaft machte einen Neubau schließlich unumgänglich. Als die Löschgruppe 2010 erstmals mehr als 30 Aktive zählte, stand auch der Umzug in das neue Gerätehaus an. Nach der letzten Übung am alten Standort zog die Mannschaft am 22. Mai mit einem Fackelzug durch das Dorf zum neuen Gerätehaus. Den Kühlschrank fest auf das LF gezurrt.

2011 kam ein Tanklöschfahrzeug als drittes Fahrzeug hinzu. Es blieb bis 2023 in Wardhausen-Brienen und wurde anschließend durch ein MLF ersetzt. Die Entwicklung von Fahrzeugen und Gerätehaus zeigt, wie eng Mannschaftsstärke, Aufgaben und Technik zusammenhängen. Mehr Personal und ein breiteres Einsatzspektrum verlangten über die Jahrzehnte immer wieder nach neuen Lösungen.

ELW, Boot und Zusammenarbeit

Eine zentrale Sonderaufgabe ist heute der Einsatzleitwagen. Seit 2006 ist in Wardhausen-Brienen ein ELW 1 stationiert. Bei Brand- und Hilfeleistungseinsätzen mit den Alarmstufen B3, H3, ab C2 sowie ab H2 bei Person im Rhein unterstützt die Besatzung des ELW 1 die Einsatzleitung im gesamten Stadtgebiet. Funkverkehr, Aufträge, Rückmeldungen und Lageinformationen müssen gebündelt und dokumentiert werden. Dafür wurde innerhalb der Löschgruppe eine eigene Fachkompetenz entwickelt.

„Der ELW in Wardhausen ist für die gesamte Stadt Kleve im Einsatz und unterstützt die Einsatzleitung. Die Einheit hat das notwendige Personal dafür sehr gut ausgebildet. Mit dem neuen ELW 1 wird diese wichtige Aufgabe 2027 noch weiter gestärkt.“
– Heinrich Graven, stellv. Leiter der Feuerwehr Kleve

Die zweite besondere Aufgabe bleibt die Wasserrettung. Mit der Löschgruppe Düffelward wird wegen der gemeinsamen Aufgaben auf dem Wasser regelmäßig geübt. Die beiden Einheiten bilden zusammen mit der aus Keeken den Taktischen Zug Nord-West. Gemeinsame Übungen im Jahr sorgen dafür, dass die Einheiten bei Alarmierungen schnell ineinandergreifen und Aufgaben teilweise schon auf der Anfahrt abgestimmt können.

Erfahrung weitergeben, Nachwuchs gewinnen

Mit neuen Aufgaben sind auch die Anforderungen an die Ausbildung gestiegen. In Wardhausen-Brienen werden Funktionen bei Übungen bewusst gewechselt oder ausgelost. Ziel ist, dass möglichst viele Mitglieder unterschiedliche Aufgaben sicher beherrschen. Gleichzeitig fördert der regelmäßige Rollenwechsel das Verständnis für die Abläufe insgesamt und damit auch das Mitdenken innerhalb der Mannschaft. Seit 2003 gehören auch Frauen zum Einsatzdienst der Löschgruppe. Das wird heute als selbstverständlicher Teil einer Mannschaft gelebt, in der Erfahrung und Nachwuchs zusammenkommen.

Jan-Matti Jaspers steht für die nächste Generation. 2019 begann er in der Jugendfeuerwehr, 2024 wechselte er in den aktiven Dienst der Löschgruppe. In seiner bisherigen Zeit hat sich nicht nur sein fachliches Verständnis für Technik und Geräte weiterentwickelt. Auch persönlich hat ihn die Feuerwehr geprägt. Gerade die gemeinsamen Aktivitäten und die regelmäßigen Übungsabende haben für ihn dazu beigetragen, eine enge Gemeinschaft innerhalb der Löschgruppe entstehen zu lassen. In Wardhausen-Brienen schätzt er besonders, dass Fragen jederzeit möglich sind, Wissen weitergegeben wird und zugleich auch jüngere Mitglieder eigene Erfahrungen einbringen können.

„Es braucht nicht immer einen besonderen Einsatz. Häufig sind es die kleinen gemeinsamen Erlebnisse, die zeigen, was Kameradschaft bedeutet.“
– Jan Matti Jaspers, Löschgruppe Wardhausen-Brienen

Auch außerhalb von Einsätzen entstehen solche Momente. Martinszug, Osterfeuer, Familientag, Jahresabschluss und Bildungsfahrten gehören zum Leben der Löschgruppe. Zum 65-jährigen Bestehen traten 2003 beim Drachenbootrennen auf dem Spoykanal 28 Gruppen gegeneinander an. 2027 richtet die Einheit zudem das Feuerwehr-Wasserballturnier auf der Spoy aus, bei dem Mannschaften mit Strahlrohren versuchen, einen Ball ins gegnerische Tor zu treiben.

Wasserballturnier 2026

Blick nach vorn

Mit dem für das erste Quartal 2027 geplanten neuen ELW und einem neuen HLF steht Wardhausen-Brienen vor dem nächsten Modernisierungsschritt. Der Fuhrpark der Einheit wäre damit auf einem sehr aktuellen Stand und würde zugleich ein noch breiteres Einsatzspektrum ermöglichen. Besonders bei Verkehrsunfällen schafft der hydraulische Rettungssatz des HLF zusätzliche Möglichkeiten für die technische Hilfeleistung. Auch auf dem Wasser soll die Einsatzbereitschaft weiter verbessert werden. Ein neuer Anleger am Spoykanal im Bereich des Gerätehauses soll künftig schnellere Bootseinsätze in Richtung Innenstadt und Hochschule ermöglichen.

Die größere Aufgabe lässt sich jedoch nicht bestellen oder beschaffen. Es braucht weiterhin Menschen, die Zeit investieren, sich ausbilden lassen und Verantwortung übernehmen. Genau darin liegt, wie bei der gesamten Klever Feuerwehr, auch in Wardhausen-Brienen der rote Faden durch die Geschichte. Die Technik ist eine andere als 1938, die Aufgaben sind vielfältiger und die Einsätze zahlreicher. Getragen wird die Einheit aber weiterhin von Menschen unterschiedlichen Alters und mit unterschiedlichen Fähigkeiten, die im entscheidenden Moment gemeinsam handeln.

„Wardhausen-Brienen ist eine aufstrebende Einheit mit klaren Schwerpunkten im Bereich ELW und Boot. Die Kameraden bringen sich auf vielen Ebenen engagiert in die Feuerwehr Kleve ein und entwickeln ihre Fähigkeiten kontinuierlich weiter.“
– Daniel Scholz, stellv. Leiter der Feuerwehr Kleve

Feature-Ausblick

Wenn Höhe und Tiefe selbst zur Gefahr werden, kommt besonderes Wissen ins Spiel. Im nächsten Feature stellen wir die Sondereinheit Absturzsicherung der Freiwilligen Feuerwehr Kleve vor und zeigen, wie sich die noch junge Einheit auf Einsätze an Dächern, Schächten, Böschungen und anderen absturzgefährdeten Bereichen vorbereitet.

Autor: Maurice Coenjaerts