Der Musikzug Kleve

Der Klang der Feuerwehr

Wer an die Freiwillige Feuerwehr denkt, denkt meist zuerst an Einsatzfahrzeuge, Atemschutzgeräte und Blaulicht. In Kleve gehört seit mehr als einem Jahrhundert aber auch ein anderer Klang dazu: der des Musikzugs der Freiwilligen Feuerwehr. Rund 45 bis 50 Musikerinnen und Musiker prägen heute diesen besonderen Teil der Feuerwehr Kleve. Sie begleiten offizielle Anlässe, gestalten Konzerte, treten bei städtischen und kirchlichen Veranstaltungen auf und zeigen dabei, dass Feuerwehr nicht nur Einsatzdienst bedeutet, sondern auch Kultur, Gemeinschaft und musikalisches Können.

Diese Doppelrolle macht den Musikzug besonders. Er ist Feuerwehr-Einheit und Klangkörper zugleich, traditionsreich und zugleich in Bewegung. Zwischen Protokollmusik, Jahreskonzert, Benefizauftritten und Nachwuchsarbeit steht eine Einheit, die seit ihrer Gründung im Jahr 1900 einen eigenen Beitrag zum Bild der Feuerwehr in der Stadt leistet.

Eine Einheit mit eigenen Aufgaben

Innerhalb der Freiwilligen Feuerwehr Kleve nimmt der Musikzug eine besondere Rolle ein. Er ist musikalischer Botschafter, Aushängeschild und zugleich in die Feuerwehrstruktur eingebunden. Für Zugführerin Jeannette Pallaschke gehört diese Doppelrolle zum Selbstverständnis der Einheit.

„Der Musikzug ist ein Aushängeschild der Stadt Kleve, aber gleichzeitig auch eine ganz normale Einheit der Freiwilligen Feuerwehr Kleve. Auch bei uns geht es darum, Mitglieder zu betreuen, Auftritte zu organisieren, Verlässlichkeit sicherzustellen und neue Menschen für die Einheit zu gewinnen.“
– Jeannette Pallaschke, Zugführerin Musikzug Kleve

Der Unterschied zu den technischen Einheiten liegt vor allem im Auftrag: Während andere Einheiten mit Fahrzeugen und Ausrüstung zu Einsätzen ausrücken, arbeitet der Musikzug mit Instrumenten, Noten und Probenarbeit. Die Verbindung zur Einsatzabteilung bleibt dennoch eng. Der Musikzug ist besonders mit dem Löschzug Kleve verbunden, mit dem auch die Alters- und Ehrenabteilung gemeinsam besteht. Derzeit sind zudem zwei Mitglieder des Musikzugs gleichzeitig aktiv im Löschzug.

Auch gemeinsame Kameradschaftsabende sollen wieder stärker angestoßen werden, um den Austausch zwischen musikalischer und technischer Feuerwehr weiter zu festigen. Damit bleibt der Musikzug nicht nur organisatorisch Teil der Feuerwehr, sondern auch kameradschaftlich in die Gesamtstruktur eingebunden.

Eine Geschichte über Generationen

Die Geschichte des Musikzugs reicht bis in das Jahr 1900 zurück. Damit ist er eng mit der Entwicklung der Freiwilligen Feuerwehr Kleve verbunden und gehört seit 126 Jahren zu ihrem Erscheinungsbild. Diese lange Tradition zeigt sich nicht nur in Chroniken und Jahreszahlen, sondern vor allem in den Menschen, die den Musikzug über Jahrzehnte geprägt haben.

Einer von ihnen ist Engelbert van der Steen. Heute ist er 86 Jahre alt und seit 2022 nicht mehr aktiv im Musikzug dabei. Die Verbindung ist dennoch geblieben. Zu Konzerten kommt er weiterhin gerne, auch wenn er selbst nicht mehr mitprobt.

„Mein Vater war im Musikzug und hat mich damals als Schüler mit zu einer Probe genommen. Ich war ungefähr 16 Jahre alt, und aus diesem ersten Kontakt ist dann eine jahrzehntelange Verbindung geworden.“
– Engelbert van der Steen, bis 2022 im Musikzug aktiv

Auch seine musikalische Entwicklung erzählt ein Stück Musikzug-Geschichte. Begonnen hat Engelbert mit der Klarinette, später wechselte er zum Altsaxophon und schließlich zum Tenorsaxophon. Rückblickend beschreibt er diesen Weg mit dem Hinweis, dass die Instrumente im Laufe der Zeit immer größer geworden seien. Heute ist auch seine Tochter im Musikzug Kleve aktiv. So verbindet sich an seiner Person die Geschichte von drei Generationen mit der Feuerwehrmusik in Kleve.

Engelbert erinnert sich aber auch daran, dass der Musikzug nicht immer so stark besetzt war wie heute. In seinen Anfangsjahren sei die Zahl der Aktiven zeitweise auf zehn bis zwölf Musiker gesunken. Gemeinsam mit einem Freund, der Trompete spielte, begann er deshalb, neue Mitglieder zu gewinnen und auszubilden. Zunächst kamen Interessierte aus der eigenen Familie, dann aus dem Bekanntenkreis, später über Schule, Mundpropaganda und weitere Kontakte. Über viele Jahre war Engelbert in der Ausbildung aktiv; viele Musikerinnen und Musiker, die später im Musikzug spielten, gingen durch seine Anleitung.

Diese Erinnerungen zeigen, dass Nachwuchsarbeit kein neues Thema ist. Mitgliederzahlen haben über die Jahrzehnte geschwankt. Es gab auch Hochzeiten mit 70 bis 80 Musikerinnen und Musikern. Der Musikzug musste sich immer wieder erneuern, Menschen ansprechen und musikalisch ausbilden. Dass er bis heute besteht, ist deshalb nicht nur Ergebnis einer langen Tradition, sondern auch Ergebnis beharrlicher Arbeit vieler Ehrenamtlicher.

Schützenumzug Kellen 2025

Vom Marsch zur Konzertbühne

Der Musikzug Kleve hat sich über die Jahrzehnte immer wieder verändert. Lange gehörten Marschmusik, Platzkonzerte und die musikalische Begleitung von Feuerwehr- und Schützenfesten selbstverständlich zum Profil. Auch heute bleiben diese Aufgaben Teil des Musikzugs. Doch der Schwerpunkt hat sich verschoben. Konzertante Auftritte, gehobene Unterhaltungsmusik und eigene Konzerte nehmen inzwischen einen deutlich größeren Stellenwert ein.

Seit 2015 leitet Georg Arntz den Klangkörper. Damals war er zunächst als Ersatzdirigent eingesprungen, nachdem der langjährige Dirigent Hans Wasser erkrankt war. Nach einem Probedirigat entschied sich das Orchester für ihn. Seitdem hat Arntz die musikalische Entwicklung weitergeführt und neue Schwerpunkte gesetzt.

„Der Musikzug aus Kleve ist ein modernes symphonisches Blasorchester. Er ist in der Lage, Unterhaltungsmusik zu spielen, aber auch konzertante, ernste Musik. Gleichzeitig bleibt es uns sehr wichtig, die Protokollmusik der Feuerwehr regelmäßig zu üben und Veranstaltungen der Feuerwehr würdevoll zu begleiten.“
– Georg Arntz, Dirigent Musikzug Kleve

Jahreskonzert 2026

Dabei geht es nicht darum, die Tradition abzulegen. Feuerwehrmusik bleibt Teil des Zeremoniells, wenn die Feuerwehr zu offiziellen Anlässen zusammenkommt, wenn Jubiläen, Ehrungen, Gedenkveranstaltungen oder besondere Termine musikalisch begleitet werden. Zugleich arbeitet der Musikzug daran, den konzertanten Bereich auszubauen.

Das Jahreskonzert, Benefizkonzerte und weitere größere Auftritte zeigen, welche musikalische Bandbreite im Orchester steckt. Neben klassischer Blasorchesterliteratur gehören moderne Arrangements, Filmmusik, Musical, Rock- und Popbearbeitungen sowie gehobene Unterhaltungsmusik zum Repertoire. Gerade moderne Stücke stellen besondere Anforderungen: Sie sollen nicht nur korrekt gespielt werden, sondern so klingen, wie das Publikum sie kennt und erwartet.

Ein Klangkörper mit Anspruch

Der Anspruch des Musikzugs zeigt sich besonders in seiner Besetzung und in der Probenarbeit. Musikalisch versteht sich das Orchester nicht als reine Marschformation, sondern als moderner Klangkörper mit sinfonischer Ausrichtung. Die Besetzung wurde in den vergangenen Jahren gezielt erweitert; dazu gehören etwa Oboe und Bassklarinette. Perspektivisch soll auch das melodische Schlagwerk weiter ausgebaut werden, weil moderne Blasmusik in diesem Bereich immer stärker differenziert arbeitet.

Der Unterschied zwischen Konzert und Marsch zeigt, wie breit die Anforderungen an die Einheit sind. Bei konzertanten Auftritten kann der Musikzug mit nahezu voller Besetzung auftreten. Dann stehen rund 45 bis 50 Musikerinnen und Musiker gemeinsam auf der Bühne. Bei Marschmusik ist das schwieriger: Musik, Bewegung, Formation und äußere Bedingungen müssen zusammenkommen. Deshalb ist der Musikzug bei solchen Auftritten meist mit einer kleineren Besetzung unterwegs.

Dass der Musikzug diesen Weg gehen kann, liegt auch an der Bereitschaft der Mitglieder, regelmäßig zu üben. Musik entsteht nicht allein in der gemeinsamen Probe. Wer im Orchester mitspielt, muss auch zu Hause am Instrument arbeiten. Im Ehrenamt ist das immer mit Beruf, Familie und Alltag abzuwägen. Die gemeinsame Probe muss deshalb beides leisten: musikalisch weiterentwickeln und zugleich unterschiedliche Voraussetzungen zusammenführen. Ergänzend helfen ein bis zwei Musikworkshops im Jahr, gezielt am Klang, am Zusammenspiel und an einzelnen Schwerpunkten zu arbeiten.

Musik für Feuerwehr und Stadtgesellschaft

Der Musikzug wirkt weit über den Probenraum hinaus. Seine Auftritte führen ihn zu Veranstaltungen der Feuerwehr, zu städtischen und kirchlichen Anlässen, zu Schützenfesten, Benefizkonzerten und eigenen Konzertformaten. Besonders das Jahreskonzert gehört zu den festen Höhepunkten im Kalender des Orchesters. Dort zeigt sich der Musikzug nicht als Begleitung im Hintergrund, sondern als eigenständiger musikalischer Akteur.

Wenn der Musikzug in Uniform auftritt, steht er zugleich für die Freiwillige Feuerwehr Kleve als Ganzes. Er macht sichtbar, dass ehrenamtliches Engagement in der Feuerwehr unterschiedliche Formen haben kann. Während die einen bei Bränden, Unfällen und technischen Hilfeleistungen ausrücken, tragen andere mit Musik dazu bei, Veranstaltungen zu gestalten, Gemeinschaft zu stiften und besondere Momente angemessen zu begleiten.

Schützenfest in Materborn 2026

„Der Musikzug steht für weit mehr als Feuerwehr. Musik ist ein zentraler Bestandteil des kulturellen Lebens und transportiert Emotionen und Gemeinschaft auf eine besondere Weise. Dahinter steckt ein enormes Maß an Engagement, Herzblut und Leidenschaft.“
– Daniel Scholz, stellv. Leiter der Feuerwehr Kleve

Ein Konzert ist für die Mitglieder damit nicht nur ein Auftritt, sondern Ergebnis vieler Proben, individueller Vorbereitung und gemeinsamer Entwicklung. Ein offizieller Feuerwehrtermin ist nicht nur ein Programmpunkt, sondern Teil des Selbstverständnisses, den Kameradinnen und Kameraden einen passenden musikalischen Rahmen zu geben.

Nachwuchs als Zukunftsaufgabe

Die Zukunft des Musikzugs entscheidet sich nicht allein in Konzerten, sondern vor allem in der Ausbildung. Wie viele andere Orchester steht auch der Musikzug Kleve vor der Aufgabe, neue Musikerinnen und Musiker zu gewinnen, auszubilden und langfristig an die Einheit zu binden. Dabei geht es nicht nur um Kinder und Jugendliche, sondern auch um Erwachsene, die bereits ein Instrument spielen oder später neu beginnen möchten.

Britta Brands ist ein Beispiel dafür. Sie ist erst seit drei Jahren im Musikzug und inzwischen stellvertretende Zugführerin. Zum Musikzug kam sie nicht über den klassischen Weg einer frühen Jugendausbildung, sondern als Erwachsene.

„Ich war damals auf der Suche nach einem kreativen Ausgleich zum Beruf. Der Musikzug war durch die Familie und die Nähe zur Wache schon präsent; eine Instrumentenvorstellung habe ich dann genutzt und bin als spätberufene Schülerin eingestiegen. Aus meiner Anfangszeit nehme ich mit, dass neue Schülerinnen und Schüler möglichst früh auch kameradschaftlich Anschluss finden sollten.“
– Britta Brands, stellv. Zugführerin Musikzug Kleve

Aktuell befinden sich mehrere Schülerinnen und Schüler in der Ausbildung. Zugleich arbeitet der Musikzug daran, die Ausbildung neu zu strukturieren. Die Corona-Zeit hat auch hier Spuren hinterlassen. Vieles, was zuvor selbstverständlich gewachsen war, musste danach wieder neu aufgebaut werden. Nachwuchsarbeit braucht deshalb dauerhaft Aufmerksamkeit; ideal wäre eine größere Zahl neuer Schülerinnen und Schüler pro Jahr, weil erfahrungsgemäß nicht alle langfristig im Musikzug bleiben.

Daneben sind Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger für den Musikzug von großer Bedeutung. Wer bereits ein Instrument spielt und ein Orchester sucht, kann den Klangkörper unmittelbar verstärken. Gleichzeitig sollen junge Musikerinnen und Musiker den Musikzug nicht nur musikalisch, sondern auch als Gemeinschaft kennenlernen. Wer früh gefördert, gefordert und eingebunden wird, kann später nicht nur verlässlich mitspielen, sondern auch Verantwortung übernehmen.

Kameradschaftsausflug Fahrradtour mit Familie (09/25)

Kameradschaft in Uniform und im Orchester

Der Musikzug ist Teil der Feuerwehr Kleve, auch wenn seine Arbeit anders aussieht als die der technischen Einheiten. Diese Zugehörigkeit zeigt sich besonders dort, wo Musik und Feuerwehrprotokoll zusammenkommen. Bei Ehrungen, offiziellen Anlässen, Gedenkveranstaltungen oder besonderen Terminen begleitet der Musikzug die Kameradinnen und Kameraden der Feuerwehr und gibt diesen Momenten einen festen Rahmen.

Musik kann dabei ausdrücken, was in offiziellen Momenten oft schwer in Worte zu fassen ist: Respekt, Zusammenhalt, Dankbarkeit und Würde. Gerade deshalb bleibt die Protokollmusik der Feuerwehr ein fester Bestandteil der Probenarbeit, auch wenn sich der Musikzug musikalisch immer stärker in Richtung konzertanter Auftritte entwickelt.

„Wir können in Kleve stolz darauf sein, sowohl einen Spielmannszug als auch einen Musikzug in der Feuerwehr zu haben. Beide stehen aus ihrer langen Tradition heraus für einen wichtigen Teil unserer Feuerwehrkultur und zeigen, dass Feuerwehr eben nicht nur Einsatzdienst bedeutet. Der Musikzug Kleve macht deutlich, dass in Feuerwehruniform auch Musikerinnen und Musiker stecken, die ihr Handwerk beherrschen.“
– Heinrich Graven, stellv. Leiter der Feuerwehr Kleve

Auch innerhalb der Feuerwehr soll diese Verbindung weiter gestärkt werden. Zwischen Musikzug und Löschzug Kleve sollen gemeinsame Kameradschaftsabende wieder stärker angestoßen werden. In den vergangenen Jahren war dieser Austausch etwas eingeschlafen. Nun geht es darum, sich gegenseitig besser kennenzulernen und die gemeinsame Feuerwehridentität wieder stärker erlebbar zu machen.

Blick nach vorn

Der Musikzug Kleve steht zwischen langer Tradition und konkreten Zukunftsaufgaben. Einerseits gehört er seit 1900 fest zur Feuerwehr Kleve. Andererseits verändert sich seine Arbeit musikalisch, organisatorisch und in der Frage, wie neue Mitglieder gewonnen und gehalten werden können.

Ein wichtiger Punkt ist die geplante neue Hauptwache des Löschzuges Kleve. Dort ist auch der Musikzug berücksichtigt. Für die Einheit bedeutet das eine langfristige Perspektive innerhalb der Feuerwehrstruktur.

Auch bei den Auftritten soll sich der Musikzug weiterentwickeln. Termine sollen stärker gebündelt und gewichtet werden. Statt vieler kleiner Auftritte sollen künftig eher größere Auftritte und Konzertformate im Mittelpunkt stehen. Das passt zur musikalischen Entwicklung des Orchesters, das den konzertanten Bereich weiter stärken möchte, ohne seine Aufgaben in der Feuerwehrprotokollmusik aufzugeben.

Dazu kommt die zunehmende Bedeutung von Kooperationen. Wie viele Musikzüge und Blasorchester steht auch der Musikzug Kleve vor der Herausforderung, alle Register dauerhaft gut zu besetzen. Zusammenarbeit mit anderen Orchestern kann dabei helfen, musikalische Projekte möglich zu machen und größere Besetzungen auf die Bühne zu bringen. Für das kommende Jahr ist bereits ein gemeinsamer Auftritt mit dem Musikzug der ASG Nütterden in Krefeld vorgesehen.

So bleibt der Musikzug Kleve eine besondere Einheit innerhalb der Freiwilligen Feuerwehr. Er steht für Tradition, musikalischen Anspruch und Gemeinschaft – und für eine Feuerwehr, die in Kleve auf mehr als eine Weise hörbar ist.

Feature-Ausblick

Feuerwehr bedeutet mehr als Einsätze und Übungen. Das nächste Feature richtet den Blick auf die Unterstützungseinheiten der Freiwilligen Feuerwehr Kleve. Vier Mitglieder erzählen von ihren unterschiedlichen Wegen, ihren heutigen Aufgaben und ihren Vorstellungen für die weitere Entwicklung. Dabei wird deutlich, wie vielfältig das Engagement außerhalb des regulären Einsatzdienstes sein kann.

Autor: Maurice Coenjaerts