Die Freiwillige Feuerwehr Kleve –

Überblick, Einheiten, Geschichte

Eine starke Gemeinschaft für den Schutz der Stadt

Wenn in Kleve Feuerwehrfahrzeuge mit Blaulicht durch die Straßen fahren, rücken ausschließlich ehrenamtliche Einsatzkräfte aus. Menschen, bei denen kurz zuvor der Melder gepiept hat und die ihre Zeit in den Dienst der Allgemeinheit stellen – neben Beruf, Ausbildung oder Familie. Die Freiwillige Feuerwehr Kleve ist rund um die Uhr einsatzbereit: bei Bränden, Verkehrsunfällen, Unwettern, technischen Hilfeleistungen und zur Unterstützung anderer Organisationen. Sie schützt Menschen, Tiere, Sachwerte und die Umwelt.

Das ist nicht nur wegen des Einsatzes selbst bemerkenswert, sondern auch wegen der Struktur dahinter: In Städten in Nordrhein‑Westfalen sind hauptamtliche Feuerwehrkräfte bereits ab 25.000 Einwohnern gesetzlich vorgesehen. In Kleve – mit über 50.000 Einwohnern – wäre eine „Freiwillige Feuerwehr mit hauptamtlichen Kräften“ die Regel. Dass hier weiterhin ausschließlich freiwillige Mitglieder den Brandschutz sicherstellen, ist eine Ausnahme und Ausdruck eines funktionierenden, engagierten Ehrenamts.

Einsatz in Kellen im Juni 2025

„Alle Mitglieder der Feuerwehr ziehen gemeinsam an einem Strang. Als Ehrenamt ist es für viele ein Meisterstück, alles unter einen Hut zu bekommen – Familie, Beruf und Feuerwehr. Genau das macht unseren Dienst so besonders: Jeder bringt sich mit seiner Zeit und seinen Fähigkeiten ein, und nur durch diesen Zusammenhalt funktioniert es.“
Ralf Benkel, Leiter der Feuerwehr Kleve

Dieses Feature gibt Einblicke in den Aufbau, die Aufgaben und die Besonderheiten der Feuerwehr Kleve. Es zeigt das vielfältige Engagement der Mitglieder, die Strukturen im Hintergrund und die Entwicklung über mehr als ein Jahrhundert hinweg.

Aus der Geschichte gewachsen – in die Zukunft gedacht

Die Ursprünge des organisierten Brandschutzes in Kleve reichen weit zurück. Bereits im Mittelalter wurden nach zwei verheerenden Stadtbränden Vorschriften zur Dachdeckung, zur Löschwasserversorgung und zur Brandverhütung erlassen. Ab dem 17. Jahrhundert regelten preußische Feuerordnungen zunehmend detailliert, wie der Feuerschutz zu organisieren war – inklusive Aufsicht, Ausrüstung und Beteiligung der Bürgerschaft. Damals war es selbstverständlich, dass im Ernstfall alle mit anpackten.

Trotz solcher Vorgaben blieb der Brandschutz lange lückenhaft. Ein vermutlich durch einen Kamin ausgelöster Wohnungsbrand in der Nacht zum 27. Dezember 1899 auf der Stechbahn sorgte für öffentliche Kritik am damaligen Feuerschutz. Der Klever Radfahrverein unter Vorsitz von Ingenieur Paul Rütter rief daraufhin zur Neuaufstellung auf – und keine vier Wochen später, am 23. Januar 1900, wurde die Freiwillige Feuerwehr Kleve gegründet. Bemerkenswert: Bereits einen Tag nach ihrer öffentlichen Vorstellung rückte die neue Wehr zu ihrem ersten Einsatz aus.

Unterstützt wurde die Organisation von Anfang an durch die Stadtverwaltung. Der damalige Bürgermeister Aloys Broekmann setzte sich persönlich für eine strukturierte, moderne Aufstellung ein. Noch im selben Jahr wurde die Satzung der Wehr verabschiedet – das Fundament für ein Engagement, das bis heute trägt.

Bürgermeister Aloys Broekmann

Heute blickt die Feuerwehr Kleve auf über 125 Jahre Geschichte zurück, geprägt von Wandel, Verantwortung und Zusammenhalt. Technik und Taktik haben sich verändert, die Gefahrenlagen sind komplexer geworden und die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen erfordern neue Antworten. Der Grundgedanke aber ist geblieben: Menschen helfen Menschen – freiwillig, solidarisch, zuverlässig.

Ein sichtbares Zeichen dieses Wandels ist die persönliche Schutzausrüstung. Während früher Baumwollkleidung, Stahlhelme und selbst beschaffte Handschuhe zum Alltag gehörten, tragen Einsatzkräfte heute hochfunktionale Schutzkleidung aus modernen Materialien. Sie sorgt dafür, dass die Feuerwehrleute bestmöglich geschützt sind – auch kurzzeitig in sehr heißen Umgebungen. Die Sicherheit der Einsatzkräfte steht dabei im Mittelpunkt und ist Ergebnis jahrelanger Weiterentwicklung.

Die Herausforderungen der Zukunft sind vielfältig: Klimawandel, demografische Veränderungen, neue Technik (z. B. alternative Antriebe und Akkubrände) und wachsende Erwartungen an Professionalität. Gleichzeitig steht die Feuerwehr für Werte, die vielerorts unter Druck geraten: Gemeinschaft, Vertrauen, Verlässlichkeit. Die Feuerwehr Kleve hält diesen Kurs – mit digitaler Ausstattung, modernem Einsatzmaterial, guter Ausbildung und aktiver Nachwuchsarbeit.

Die ehemalige Einsatzkleidung
„Ich bin stolz, ein Teil dieses Ehrenamts zu sein – eines Ehrenamts, das in unserer Stadt schon im Jahr 1900 gegründet wurde und bis heute durch engagierte Individualisten getragen wird. Die Technik hat sich verändert, die Einsätze sind komplexer und fordernder geworden – aber was bleibt, ist der starke Zusammenhalt und die sinnstiftende Aufgabe: für Mensch, Tier, Sachwert und Umwelt.“
Heinrich Graven jun., stellvertretender Leiter der Feuerwehr Kleve

In Nordrhein‑Westfalen sind hauptamtliche Feuerwehrkräfte ab einer Einwohnerzahl von 25.000 vorgesehen. Kleve liegt deutlich darüber. Möglich wird der Verzicht auf hauptamtliche Kräfte durch eine Ausnahmegenehmigung der Bezirksregierung gemäß § 10 Satz 3 BHKG.

Voraussetzung dafür ist, dass die Stadt nachweist, dass der Betrieb einer leistungsfähigen Feuerwehr auch ohne hauptamtliche Kräfte sichergestellt ist. Basis ist der regelmäßig fortzuschreibende Brandschutzbedarfsplan, in dem belegt wird, dass alle Aufgaben in vorgegebenen Zeiten und in der geforderten Qualität erfüllt werden – personell, technisch und organisatorisch. Erst wenn dieser Nachweis erbracht ist, kann auf hauptamtliche Strukturen verzichtet werden.

Die Schwanenstadt zeigt, dass professioneller Bevölkerungsschutz auch ohne Hauptamt möglich ist, wenn Motivation, Organisation und politische Rückendeckung zusammenkommen. Kleve beweist das seit Jahren – und ist damit nicht allein: Im gesamten Kreisgebiet wird der Brandschutz ausschließlich von Freiwilligen gewährleistet.

Seit der Gründung gilt der Leitspruch

Führung, Fachbereiche, Verantwortung

Auch wenn die Feuerwehr Kleve ausschließlich aus Freiwilligen besteht, ist sie organisatorisch klar aufgebaut und professionell aufgestellt. An der Spitze steht die Wehrleitung, die von einem Stab unterstützt wird. Dieser übernimmt unter anderem taktische Abstimmungen, Einsatzplanung und die Koordination von Sonderlagen. Dahinter arbeiten verschiedene Fachbereiche, die sich um zentrale Aufgaben kümmern: von der Mitgliederverwaltung über die Ausbildung bis hin zur Öffentlichkeitsarbeit oder der digitalen Kommunikation im Einsatz.

Die Themen sind dabei bewusst auf mehrere Schultern verteilt. So sorgt beispielsweise der Bereich Personal dafür, dass alle Mitglieder verwaltungstechnisch erfasst und betreut werden. Zusätzlich gibt es noch einen Ausbildungs- und Versorgungsfachbereich. Auch die Presse- und Medienarbeit sowie die Betreuung der Funk- und IT-Infrastruktur sind in eigene Fachbereiche gegliedert.

Ein fester Bestandteil der Feuerwehrstruktur ist außerdem die Ehren- und Unterstützungsabteilung. Hier bringen sich ehemalige Aktive und Menschen, die nicht die körperlichen Voraussetzungen für den aktiven Dienst erfüllen, engagiert ein, beispielsweise bei Veranstaltungen, in der Kameradschaftspflege oder in beratender Funktion. Ebenfalls prägend für das Bild der Feuerwehr in der Öffentlichkeit sind zwei musikalische Formationen: Der Musikzug Kleve und der Spielmannszug Reichswalde begleiten interne Feiern, öffentliche Auftritte oder festliche Anlässe im Stadtleben.

Die gesamte Struktur zeigt: Auch ohne hauptamtliche Kräfte gelingt es der Feuerwehr Kleve, sich modern, vielseitig und leistungsfähig aufzustellen. Das Ehrenamt funktioniert hier nicht nebenbei, sondern ist durchdacht organisiert und wird von Menschen getragen, die ihre Aufgabe mit Herz und Verstand ausfüllen.

Zwölf Einheiten – eine Feuerwehr

Die Freiwillige Feuerwehr Kleve besteht aus insgesamt zwölf Löscheinheiten, die über das gesamte Stadtgebiet verteilt sind. Von der Innenstadt über Materborn, Rindern und Reichswalde bis hin zu kleineren Ortschaften wie Keeken oder Schenkenschanz. Jede dieser Gruppen stellt eigenständig die örtliche Einsatzbereitschaft sicher und arbeitet bei größeren Einsätzen eng mit den Nachbareinheiten zusammen.

Stand Juli 2025 zählt die Freiwillige Feuerwehr Kleve 577 Mitglieder. Davon sind 295 im aktiven Einsatzdienst, darunter 28 Frauen. In den Ehrenabteilungen engagieren sich 132 ehemalige Kameradinnen und Kameraden, weitere 99 Mitglieder gehören den Musik- und Spielmannszügen an. Zusätzlich beteiligen sich 13 Personen bei der Feuerwehr in nicht-operativen Aufgaben bei den Unterstützungseinheiten – etwa in Logistik, Technik oder Organisation. Hinzu kommen noch die Mitglieder der Jugendfeuerwehr. Damit zählt die Freiwillige Feuerwehr Kleve zu den größten ehrenamtlichen Feuerwehren in Nordrhein-Westfalen.

Stadtfeuerwehrfest 2025 in der Stadthalle Kleve
„Früher war vieles einfacher, aber auch improvisierter. Man hatte nicht immer die Ausrüstung, die man gebraucht hätte – da wurde viel mit Hand und Herz gearbeitet. Heute sind die Einheiten technisch top ausgestattet, das ist ein riesiger Fortschritt. Was geblieben ist, ist der familiäre Zusammenhalt. Man kennt sich, man hilft sich – das war damals so, und das ist heute noch genauso wichtig.“
Heinrich Graven, Ehrenabteilung LG Reichswalde

Besondere Einheiten mit besonderen Aufgaben

Neben den regulären Löscheinheiten verfügt die Feuerwehr Kleve über mehrere Sondereinheiten. Diese kommen bei speziellen oder größeren Lagen zum Einsatz und bestehen aus zusätzlich qualifizierten Mitgliedern:

  • Erkundergruppe mit Drohnen: Schnelle Lageeinschätzung aus der Luft, z. B. bei Bränden, Unwettern oder Flächenlagen; gezielte Such‑ und Dokumentationsaufgaben.
  • CBRN‑Zug: Spezialisiert auf chemische, biologische, radioaktive und nukleare Gefahren – inklusive Gefahrgut, Dekontamination und komplexe Schadstofflagen.

  • Logistik-Zug: Material, Verpflegung, Transport und Nachschub.

  • Absturzsicherungsgruppe: Sicherheit in Höhen und Tiefen.

Übung der CBRN-Sondereinheit

Ausbildung bei der Feuerwehr Kleve

Ein starkes Ehrenamt braucht Ausbildung, Übung und regelmäßige Weiterentwicklung. Neue Mitglieder durchlaufen eine strukturierte Grundausbildung, Aktive nehmen regelmäßig an Fortbildungen und Lehrgängen teil. Dabei geht es ebenso um Technik und Taktik wie um Kommunikation, Sicherheit und Teamarbeit.

Alle Einheiten führen regelmäßige Übungsabende durch – von klassischen Brandeinsätzen bis zu Verkehrs‑ oder Gefahrgutlagen. Ergänzend gibt es theoretischen Unterricht oder Gebäudebegehungen in den Wintermonaten und standortübergreifende Übungen mit anderen Einheiten oder Organisationen. So entstehen Bekanntschaften und Routinen, die im Ernstfall Sicherheit geben.

Wie wichtig frühzeitige Ausbildung und Förderung sind, zeigt sich besonders in der Jugendfeuerwehr. Nadine Hollenders, die diese Abteilung seit vielen Jahren engagiert in Kleve leitet, begleitet die Jugendlichen auf dem Weg in den aktiven Dienst. Sie sieht dabei, wie viel Entwicklung in wenigen Jahren möglich ist.

„Es ist beeindruckend zu sehen, wie aus stillen Jugendlichen selbstbewusste Gruppenführer werden. Viele kommen ganz ohne Vorkenntnisse, und ein paar Jahre später führen sie eigenständig Übungen durch. Das ist nicht nur Feuerwehr – das ist Persönlichkeitsbildung.“
Nadine Hollenders, Leiterin der Jugendfeuerwehr Kleve
Abschluss der Grundausbildung im April 2025

Engagement mit Zukunft

Die Freiwillige Feuerwehr Kleve ist mehr als ein funktionierendes System. Was 1900 mit dem Engagement einiger Bürger begonnen hat, ist heute eine leistungsfähige Organisation. Dass das gelingt, ist nicht selbstverständlich. Es funktioniert, wenn Strukturen stimmen, Gemeinschaft gelebt wird und Menschen bereit sind, mehr zu leisten, als man erwarten kann.

„Das Engagement in der Freiwilligen Feuerwehr bedeutet für mich ein Tun und ein Machen, ein Einbringen mit Herz. Es ist vor allem die Möglichkeit, aktiv etwas für die Gemeinschaft zu tun und letztendlich zu helfen. Dieses Engagement gibt mir das Gefühl, einen sinnvollen Beitrag zu leisten und Teil einer starken Gemeinschaft zu sein.“
Daniel Scholz, stellvertretender Leiter der Feuerwehr Kleve

Mit dieser Reportage beginnt eine Reihe, in der nach und nach alle Einheiten, Gruppen und besonderen Themen der Freiwilligen Feuerwehr Kleve sowie die Menschen dahinter vorgestellt werden. Ziel ist, sichtbar zu machen, was überall geleistet wird – in den Ortsteilen, in Sondereinheiten, im Hintergrund und im Kleinen. Wir wollen verbinden, Verständnis fördern und Anerkennung ermöglichen – quer durch alle Altersgruppen und Aufgabenbereiche. Denn vieles bleibt der Öffentlichkeit verborgen: viele Stunden Ausbildung und Organisation, Belastungen und Herausforderungen – aber auch Freundschaft, Vertrauen und Stolz, etwas Sinnvolles zu tun. Diese Einblicke sollen zum Hinschauen, Mitdenken und vielleicht auch Mitmachen anregen.

 

Ausblick nächstes Feature

Das nächste Feature stellt den Ablauf einer Alarmierung in den Mittelpunkt. Vom Notruf über die Leitstelle bis zum Eintreffen der ersten Kräfte am Einsatzort. Es wird gezeigt, welche Informationen am Telefon entscheidend sind, wie die Alarm- und Ausrückordnung greift und warum zwischen erster Meldung und Ausrücken oft nur wenige Augenblicke liegen.

Autor: Maurice Coenjaerts